Nr. 20/2016 vom 19.05.2016

Kein Platz für Katzenfutter

Von Stephan Pörtner

Seit Schmetterhofer eine Katze zugelaufen war, wusste er weder ein noch aus. Da in seinem Leben kein Platz war für fremden Eigensinn und in seinem Kühlschrank keiner für Katzenfutter, hätte er das Tier, das über seine Balkontür eingestiegen war, sofort wieder der Wohnung verweisen müssen. Das aber brachte er wegen einer mit unterdrückter Tierliebe gepaarten Willensschwäche nicht zustande. Die Katze richtete sich sogleich häuslich ein und begann, Schmetterhofer ihren Willen aufzudrücken, sodass dieser nach zwölf Tagen ernsthaft in Erwägung zog, mittels Wohnungswechsel aus der Sache herauszukommen. Erst als das Viech von einer Nachbarsfamilie abgeholt wurde, konnte Schmetterhofer wieder richtig durchatmen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.wozch/shop/buecher zu haben.

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