Nr. 24/2016 vom 16.06.2016

Todesstoss für den Pelzhandel

Von Stephan Pörtner

Der Niedergang des traditionellen Pelzhauses an der stadteigenen Luxusmeile wurde fälschlicherweise dem gesteigerten und geradezu übertriebenen Tierschutzbewusstsein kaufkräftiger Kreise zugeschrieben. In Tat und Wahrheit war es eine weitere unerwartete Folge des Klimawandels. So wurden die Pelztiere rar, weil sie am Hitzestau zugrunde gingen. Der potenziellen Kundschaft erging es nicht viel besser, wenn sie ihre Mäntel selbst zu Weihnachten, in hochalpinen Luxusdestinationen, nur noch bei frühlingshaften Temperaturen ausführen konnte. Statt anmutig, ja raubkatzenhaft durch eisige Polarluft zu schlendern, schlichen sie schwitzend durch laue Lüftchen. Die damit einhergehende Einbusse an Prestige, Souveränität und Grazie versetzte dem Pelzhandel schliesslich den längst fälligen Todesstoss.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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