Nr. 26/2016 vom 30.06.2016

Heimweh nach dem Dichtestress

Von Stephan Pörtner

Die sich an improvisierten Schreibtischen zusammenklumpenden Digitalnomaden wurden ihrer hypermodernen Lebensweise trotz Fototapetenlandschaft und Meeresrauschen nicht froh. Schuld daran waren weniger die Sandflöhe, Königsquallen und Ringelnattern, die eine Neuinterpretation der Nahrungskette durchzusetzen suchten, sondern die Abwesenheit von Dichtestress und Nahverkehrskollaps. Oft als zu vermeidendes Unheil gebrandmarkt, waren diese Umweltphänomene über die Generationen unverbrüchlicher Teil der natürlichen Lebenswelt mittelständischer Hochschulabsolventinnen und -abbrecher geworden. In Abwesenheit derselben erlitten die Gestrandeten schwer nachweisbares Ohrensausen und nicht zu rechtfertigende Schwermutsanfälle, die weder mit ausufernden Trinkgelagen noch exzessiven Dehnübungen abgebaut werden konnten. So lösten sich die Vorteile gegenüber herkömmlicher Büroarbeit in vernachlässigbare Fringe Benefits auf.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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