Nr. 28/2016 vom 14.07.2016

Wie man sich bettet, so fliegt man

Von Stephan Pörtner

Dämmering war bei jeder Flugreise insbesondere von jenen Mitpassagieren fasziniert, die unabhängig von Tageszeit und Flugdauer entschlossen waren zu schlafen. Weil er sich kaum einen ungeeigneteren Schlafplatz vorstellen konnte, war ihm dieses Verhalten ein ewiges Mysterium. Waren es erschöpfte Weltenbummler auf ihrem vielzuvielten Anschlussflug? Oder bloss Pauschalreisende, die sich beim Abgreifen sämtlicher Inklusivangebote derart verausgabt hatten, dass ihnen nicht einmal die Turbulenzen etwas anhaben konnten? Oder täuschten sie gar den Schlaf nur vor, weil sie Dämmering unbekannte soziale Normen befolgten? Für letztere These sprach, dass alle just in dem Moment die Augen aufschlugen, in dem der Essenstrolley ihre Sitzreihe erreichte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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