Nr. 33/2016 vom 18.08.2016

Echte Simulation von nichts

Von Stephan Pörtner

Im Sommer bieten Kleinstädte in ländlicher, nicht sonderlich attraktiver Umgebung eine echte Alternative zum Massentourismus. Da der Grossteil der Bevölkerung genau jenem frönt, sind sie menschenleer, die Geschäfte geschlossen, die Gaststätten verwaist. Wer sich auf der Bahnfahrt dorthin auch noch Mobiltelefon und Computer stehlen lässt, kann eine nahezu authentische Simulation der siebziger Jahre erleben, in denen es bekanntlich noch nichts gab. Der als Langeweile empfundenen Gemächlichkeit versuchte die Bevölkerung damals mittels Kraftfahrzeug zu entfliehen, was nicht wirklich funktionierte, jedoch zum Bau zentraler Ladenpassagen mit während der Saison leer stehenden Parkhäusern führte, deren Besichtigung zu den absoluten Highlights solcher Kleinstädtereisen zählt.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.