Nr. 38/2016 vom 22.09.2016

Glück im Selbstbedienungsbüro

Von Stephan Pörtner

Das Verlagern der guten Stube ins Selbstbedienungsrestaurant des Grossverteilers erwies sich für Melektron als Segen. Sein Sozialleben erblühte, weil er den ganzen Tag unter Leuten war und endlich eine Vorstellung davon bekam, wie zahlreich und unterschiedlich diese waren. In geradezu unfassbarer Vielfalt paradierten sie am Sichtfenster seines Lieblingsplatzes links beim Eingang vorbei. Unbestimmbare Sprachen und Dialekte drangen von den täglich wechselnden Stammtischen der laut debattierenden RentnerInnen zu ihm, wurden in Telefone gebrüllt oder zur Kinderermahnung eingesetzt, vergeblich meist. Unter diesen Menschen aller Alters- und sozialen Klassen fühlte sich Melektron aufgehoben, vergass seinen Kummer und versöhnte sich mit seiner verkrachten Existenz.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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