Nr. 47/2016 vom 24.11.2016

Der menschliche Störsender

Von Stephan Pörtner

Der Aufenthalt an wichtigen Nahverkehrsknotenpunkten war Fünfschröter zur lieben Gewohnheit geworden, auch wenn er keinerlei Reiseabsichten hegte. Der nur kurzzeitig verebbende Menschenstrom, an dessen Zusammensetzung er als geübter Beobachter die Uhrzeit auf die Viertelstunde genau ablesen konnte, erfüllte ihn mit knisternder Energie. Diese wurde mitunter so stark, dass sie die Navigationssysteme in mehreren Metern Umkreis störte und die Menschen, die sich an ihnen orientierten, ganz woanders hingelangten als gewollt. Während die einen dies als Zeichen des Schicksals, ja einer höheren Macht werteten und zum Anlass nahmen, ihr Leben grundsätzlich zu überdenken, fluchten andere lautstark und kamen einmal mehr zu spät.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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