Nr. 51+52/2016 vom 22.12.2016

Das hat diesem Jahr noch gefehlt!

Von Carlos Hanimann

Es war klar: Der Text würde dem ganzen Spass ein Ende bereiten. Umso versöhnlicher fand ich die Ankündigung meines Gegenübers zum Schluss unserer Begegnung: Vielleicht würde er irgendwann ein Buch darüber schreiben. Einen Titel hatte er schon: «Wesswegen».

Das war vor zwei Jahren. Eine Leserin hatte sich gewünscht, dass die WOZ die wahre Identität der Onlinekommentatorin Hedi Wyler aufdecke, die sich seit der Annahme der «Masseneinwanderungsinitiative» am 9. Februar 2014 sehr oft und sehr auffällig in Diskussionen in der Kommentarspalte von tagesanzeiger.ch eingeschaltet hatte. Dabei schrieb sich Hedi Wyler zu einiger Prominenz hoch: notorische Verwirrtheit, Ausdauer, als wäre sie in einen Topf Speed gefallen, und eine fast schon poetische Orthografieschwäche machten aus ihr eine Kultfigur – zumindest in meiner Filter Bubble. War die zu dieser Zeit vielleicht meistgehasste «Tagi»-Kommentatorin echt? Steckte die SVP dahinter? Und vor allem: Weswegen? Jedenfalls galt es damals als vordringlich herauszufinden, wer Kommentare absetzte wie diesen: «(…) Entlich sollte einmal gemacht werden, was das Volk sagt, 25 Jahre sagte der BR EU Ja, jetzt hat das Volk halt einmal auch Ja gesagt, aber dagegen.»

Leider, so stellte sich heraus, war Hedi Wyler bloss ein Mann Mitte vierzig, Historiker, Lehrer, wohnhaft im Kanton Zürich – seinen Namen wollte er damals nicht in der Zeitung lesen. Ich schrieb einen Text über ihn und sein Alter Ego für die «Wunsch-WOZ», darüber stand ein Hedi-Wyler-Zitat: «Das Volk hat gesagt nein zu Einwanderung und Pasta.»

Nun hat Urs Kaufmann, Hedis Schöpfer, die Ankündigung von damals wahr gemacht und alle Kommentare von Hedi Wyler zwischen zwei Deckel gepackt. Es ist ein wunderbares Buch geworden, man könnte sogar sagen: das Buch der Stunde, das einen als Abwechslung zu Fake-News, rechten Trollbeiträgen und russischen Hackerverschwörungen richtig laut lachen lässt. «Wesswegen» – so ein Buch hat diesem beschissenen Jahr noch gefehlt. Oder um es mit einem «Tagi»-Kommentator zu sagen: «Hedi Wyler weiss auf jeden Fall mehr als jeder linke Historiker.»

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