Nr. 26/2017 vom 29.06.2017

Ungebremst in den Buddhakopf

Von Stephan Pörtner

Hopfenbauer knickte am dritten Tag der Selbstfindungswoche, zu der er sich nach langem Zögern angemeldet hatte, spektakulär ein. Nicht dass er an der Gültigkeit der vermittelten Botschaften gezweifelt hätte, insbesondere jene vom Loslassen und Geringschätzen des Materiellen hatte er schon beim Einzahlen des sein Budget sprengenden Kursbeitrags vorbildlich umgesetzt. Auch waren es keine unterdrückten Emotionen oder verdrängten Erlebnisse, die ihn überwältigten. Ihm war ganz einfach während der tiefen Dankbarkeitsmeditation der linke Fuss eingeschlafen, und als er sich auf diesen zu stellen versuchte, fiel er ungebremst in den Buddhakopf, der zu seinem Glück nicht aus Zement, sondern aus Kunstharz gefertigt war.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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