Nr. 32/2017 vom 10.08.2017

Von Kaspar Surber

Züri West

Wenn ein Album mehr als einen Song enthält, der einem nicht aus dem Kopf will, ist es ein gelungenes Album. «Love» von Züri West enthält gleich zwei, drei Songs, die noch lange nach der Veröffentlichung und den damit verbundenen Wasserstandsmeldungen zum Schweizer Pop nachklingen: das Selbstgespräch «Schatteboxe», die rockige Beziehungskrise «Schachtar gäge Gent» oder die verspielte Dylan-Adaption «Mir wei nid grüble». Kuno Lauener muss sich hie und da rechtfertigen, weil er keine politischen Songs schreibt. Doch in diesen Zeiten ist es nicht die schlechteste Idee, von der Liebe und ihren Zwischenzuständen zu singen. Das kann hierzulande niemand besser als Lauener.

Züri West in: Schaffhausen Stars in Town, Do, 10. August 2017; Zofingen Heitere Open Air, Fr, 11. August 2017; Lichtensteig Jazztage, Sa, 12. August 2017. www.zueriwest.ch

Sur le Lac

Manuel Stahlberger hat einmal ein Lied geschrieben über zwei, die ausbrechen aus der dörflichen Enge, um in Wien ihre Musicalträume zu verwirklichen. Sie scheitern, aber sie verlieben sich, kehren nach Eggersriet zurück und leben dort glücklich und froh. «Leaving Eggersriet» heisst der Song, und er hat nur einen Schönheitsfehler: die Behauptung, die St. Galler Schlafgemeinde sei musikalische Provinz, die man verlassen müsse. Dort findet nämlich alljährlich das Musikfest Sur le Lac statt. Zum Zehnjahrjubiläum spielen unter anderem Young Fathers, Mount Kimbie und Get Well Soon: Young Fathers aus Edinburgh loten die Verbindung zwischen Rap und Rock aus, energisch und komplex zugleich – und tanzbar. Die elektronischen Minimalisten Mount Kimbie entwickeln den Dubstep weiter, Get Well Soon um Konstantin Gropper wiederum sind bekannt für ihre raffinierten Pophymnen.

Sur-le-Lac-Fest in: Eggersriet, Fr/Sa, 11./12. August 2017. www.surlelacfest.ch

Aus und ein

Anfang des 19. Jahrhunderts wanderte Anton Joos aus dem Hochtal Avers in die Handelsmetropole Kopenhagen aus, um bei einem Engadiner Zuckerbäcker ein Auskommen zu finden. Er sollte zu einem der berühmtesten Kaffeehausbesitzer Dänemarks werden. Joos ist einer von acht Aus- und EinwanderInnen, deren Biografie in der Ausstellung «aus und ein» präsentiert wird. Sie will Migration als das beschreiben, was sie schon immer gewesen ist: ein historischer Normalfall. In einem Heustall in einem Bündner Tal wird so historische Pionierarbeit geleistet. Migrationsgeschichte ist in der Schweiz noch immer keine Selbstverständlichkeit.

«Aus und ein» in: Avers-Cresta Bim nüwa Hus, bis 16. September 2017. www.hexperimente.ch

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