Nr. 44/2017 vom 02.11.2017

Druck auf die Siedlung

Von Stephan Pörtner

Nicht einmal das Anpflanzen von Steckrüben verlieh ihrem Leben den angestrebten Sinn, ohne den sie dieses mitunter als fad oder geradezu frivol verschwendet empfand oder zumindest zu empfinden gedrängt wurde von dem in Peer Pressure umbenannten Gruppendruck, der die einst idyllische Siedlung erfasst hatte. Noch vor wenigen Jahren war die Gartenarbeit hier als Inbegriff der Kleinbürgerlichkeit belächelt worden, inzwischen war sie zur Paradedisziplin eines bewussten und erfüllten Daseins aufgestiegen, was sie, der Agri- und Hortikultur von jeher skeptisch gegenüberstehend, zur Aussenseiterin machte, was ihr nicht die Verachtung, sondern die motivierende Unterstützung ihres Wohnumfelds einbrachte, die sie als weitaus unangenehmer empfand.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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