Nr. 01/2018 vom 05.01.2018

Geheim bis 2041

Was sich bei der Eröffnung des Museums der Geheimarmee abspielte.

Von Kaspar Surber

Es war die wohl merkwürdigste Eröffnung eines Museums, die in der Schweiz je stattgefunden hat. Am 23. November öffnete in Gstaad das Musée Résistance Suisse die Tür – und wurde gleich wieder wie eine Zeitkapsel bis ins Jahr 2041 verschlossen. Die Heimlichtuerei passt zum Thema des Museums: Es widmet sich der Geschichte der Geheimarmee P-26. Auch die Eröffnungsfeier fand unter Ausschluss von Medien und Öffentlichkeit statt.

Lautloses Sabotagegewehr

Kurz vor Weihnachten machte ein Bericht im «Anzeiger von Saanen» publik, was genau sich bei der Eröffnung im «Schweizerhof», dem einstigen Ausbildungsbunker der Geheimarmee im Kalten Krieg, abgespielt hatte. Die 62 Ehrengäste mussten demnach aus Sicherheitsgründen beim Eingang ihre Handys abgeben. Zum Begrüssungskaffee spielte die Armeemusik. Dann hielt Bundesrat Ueli Maurer, der gemäss dem Bericht als vormaliger Verteidigungsminister das Museum ermöglicht hatte, eine Ansprache. Thema: «Widerstand als Ultima Ratio einer freien Nation». Zur Landeshymne trug eine Fahnenwache im Tarnanzug die Fahne der Geheimarmee ins Museum. Auch der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser überbrachte Grüsse. Bei der Besichtigung der Ausstellung erklärte der letzte Funkinstruktor «Volker» die Chiffriertechnik der Truppe, und Techniker «Urs» führte ein lautloses Sabotagegewehr vor, das er selbst entwickelt und in Serie gebaut hatte. Dass das Museum eröffnet, aber gleich wieder geschlossen wurde, wird mit dort befindlichen gesperrten Akten begründet.

Verfasst hat den Beitrag in der Saaner Lokalzeitung Felix Nöthiger. Das einstige Mitglied der P-26 befindet sich seit der Enttarnung der Truppe im Jahr 1990 in einem Verteidigungskampf zu ihrer Rehabilitierung. Als Sekretär der «Veteranenvereinigung C 717» versucht er, das historische Bild der Geheimarmee, die der demokratischen Ordnung widersprach, zu ändern: Sie soll eine hehre Widerstandsorganisation gewesen sein, deren Mitglieder sich durch «stilles Dienen» am Vaterland auszeichneten. Von Nöthiger stammte vor zwei Jahren auch die Todesanzeige für den Kameraden «Franz» (Hans-Rudolf Strasser). Sie sorgte für Befremden, weil sie Altbundesrat Kaspar Villiger diffamierte.

Nöthiger kann bei seinen Rehabilitierungsversuchen immer wieder auf Schützenhilfe von Ueli Maurer zählen. 2009 dankte dieser im Namen des Bundesrats «allen Angehörigen der Kaderorganisationen für die in gefahrenvollen Tagen geleisteten Dienste» und entband sie von der Schweigepflicht. Das VBS war es auch, das den «Schweizerhof» zum Spottpreis von 5000 Franken dem Burgenverein Pro Castellis für ein öffentliches Museum vermachte.

Auftritt im Westschweizer Fernsehen

Dass Pro Castellis äusserst selektiv mit der Öffentlichkeit umgeht, musste kürzlich die Sendung «Temps présent» des Westschweizer Fernsehens RTS erfahren. Für den Dokumentarfilm «Il était une fois l’armée secrète suisse» wollte man im «Schweizerhof» drehen. Auf Anfrage bei Pro Castellis meldete sich Nöthigers Veteranenverein und verweigerte den JournalistInnen den Zutritt. Selbst eine Beschwerde von RTS beim heutigen Verteidigungsminister Guy Parmelin brachte nichts. Der Dokfilm erzählt die Geschichte der P-26 dennoch einseitig aus der Perspektive von Mitgliedern, wohlwollenden Politikern und Militärhistorikern. Eine kritische Einordnung in die antikommunistische Staatsideologie der Schweiz im Kalten Krieg, die neben der Geheimarmee zur Überwachung von Hunderttausenden von BürgerInnen führte, bleibt aus.

Was Ueli Maurer zur Museumseröffnung gesagt hat, bleibt sein Geheimnis: Auf Anfrage erklärt er, er habe seine Rede mündlich gehalten. Seinen Auftritt im Geheimmuseum legitimiert er mit dem Dank des Bundesrats an die Geheimarmee, den er selbst ausgesprochen hat.

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