Nr. 02/2018 vom 11.01.2018

Der Kettenraucher in der Badewanne

Von Florian Keller

Wer sage, dass man als Autor von Hollywood korrumpiert werde, liege falsch, sagte er einmal: «Hollywood bezahlt den Autoren bloss genug Geld, dass sie heiraten und Kinder kriegen können wie andere Leute auch. Was sie korrumpiert, ist das Heiraten und Kinderkriegen.»

Aufgewachsen ist der Sohn eines Schuhverkäufers in einem Kaff in den Rocky Mountains. Als Bub soll er zu Hause einst um fünf Dollar gebeten haben, um dem Ku-Klux-Klan beitreten zu können – doch Papa gab ihm kein Geld dafür. Später zog die Familie nach Los Angeles, und als der Vater starb, musste der Sohn den Lebensunterhalt für seine Mutter und die beiden Schwestern bestreiten. Acht Jahre arbeitete er Nachtschicht bei einer Grossbäckerei, daneben schrieb er Kurzgeschichten, einen Roman und Kritiken für den «Hollywood Spectator».

Er war schon fast dreissig, als er seinen ersten Job in der Filmindustrie bekam: Als Lektor bei Warner fasste er Theaterstücke zusammen und beurteilte ihre Kinotauglichkeit. Das erledigte er offenbar so gut, dass er bald sein erstes Drehbuch schreiben durfte: ein B-Movie über zwei Reporter, die unschuldig im Gefängnis landen und dort misshandelt werden. Zwei Dutzend Drehbücher später landete der Schnellschreiber selbst auf der Anklagebank: Einst Mitglied der antifaschistischen Popular Front und seit 1943 in der Kommunistischen Partei, geriet er ins Visier der Kommunistenjäger. Dabei hatte der überzeugte Pazifist auch kriegstreiberische Patriotenfilme geschrieben – aber kaum solche, die kommunistischen Ideen huldigten. Vor dem «Komitee für unamerikanische Umtriebe» verweigerte er 1947 zusammen mit neun Kollegen die Aussage. Der Preis: ein Jahr Haft, in Hollywood landete er auf der Blacklist.

Nach zehn Monaten im Gefängnis ging er ins Exil nach Mexiko, wo er aber weiter für Hollywood schrieb – unter verschiedenen Decknamen. Eine filmische Romanze mit Gregory Peck und Audrey Hepburn trug ihm seinen ersten Oscar ein, doch der Bann der Blacklist brach erst, als ihn Otto Preminger und Kirk Douglas trotz Schreibverbot als Autor verpflichteten. Nach seiner Rehabilitation gab er ein spätes Regiedebüt, als er seinen eigenen Antikriegsroman verfilmte. Erst 1975, ein Jahr vor seinem Tod, bekam er nachträglich einen Oscar überreicht – für ein Drehbuch, das bereits achtzehn Jahre davor ausgezeichnet worden war.

Wie hiess der zweifache Oscar-Preisträger, der seine Drehbücher am liebsten kettenrauchend in der Badewanne schrieb und dessen Leben vor drei Jahren verfilmt wurde?

Wir fragten nach Dalton Trumbo (1905–1976), einem der Hollywood Ten, die vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe die Aussage verweigerten. Seine Oscars gewann er für die Vorlagen zu «Roman Holiday» (1953) und «The Brave One» (1956), seine Arbeit an Stanley Kubricks «Spartacus» und an Otto Premingers «Exodus» (beide 1960) läutete später das Ende der Blacklist ein. Sein einziger Film als Regisseur war «Johnny Got His Gun» (1971), für den er in Cannes mit dem Grossen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Im Spielfilm «Trumbo» (2015) wird er von Bryan Cranston («Breaking Bad») verkörpert..

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