Nr. 05/2018 vom 01.02.2018

Hopfenstrauch lässts krachen

Von Stephan Pörtner

Obwohl sonst weder spätpubertäre noch mittlebenskriselnde Neigungen verspürend, entwickelte Hopfenstrauch völlig unerwartet eine Schwäche für vor dreissig Jahren wegen kulturellen Dünkels oder anderweitiger Vorlieben vollkommen an ihm vorbeigegangene Krachmusik. Wann immer er sich unbeobachtet oder, genauer gesagt, unbelauscht fühlte, legte er die auf Flohmärkten und in Brockenhäusern wohlfeil erstandenen Klassiker auf und schwang zu den Hymnen, die einst vor allem mofafahrende Männer ländlicher Gegenden von jugendlicher Verwirrtheit Richtung Berufstätigkeit und Familiengründung gepeitscht hatten, das Haupt, bis ihm derart sturm wurde, dass er sich mit dümmlichem Grinsen setzen und kurz reflektieren musste, ob er nicht etwas Grundsätzliches ausgelassen hatte im Leben.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» wird aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle im Theater am Hechtplatz in Zürich aufgeführt. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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