Nr. 06/2018 vom 08.02.2018

Ein Stausee mehr oder ein AKW weniger?

Von Bettina Dyttrich

Es gibt in der Schweiz zwei Triftgletscher. Der eine liegt im Walliser Saastal und wurde letztes Jahr bekannt, weil ForscherInnen der ETH Zürich mit Sensoren einen Gletscherabbruch voraussagen konnten. Der andere fliesst im Berner Oberland vom Tieralplistock Richtung Gadmental und lässt sich von einer Hängebrücke aus bestaunen.

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts füllte dieser Gletscher den ganzen Talkessel. Heute ist er weit zurückgeschmolzen, ein See hat sich gebildet, der von einem natürlichen Felsriegel gestaut wird. Kein Wunder, dass bei seinem Anblick IngenieurInnen auf Ideen kommen: Mit einer relativ schmalen Mauer liesse sich der See viel höher stauen. Genau das plant die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), der auch die Stauanlagen auf der Grimsel gehören.

Die KWO hat die Umweltverbände schon früh ins Boot geholt. «Die Trift bietet sich für die Nutzung durch Wasserkraft fast an», liess sich Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz im «Grimselwelt Magazin» der KWO zitieren. Es sei besser, «die Wasserkraft an einigen wenigen Standorten mit gutem Ertrag zu nutzen, anstatt unzählige Kleinwasserkraftwerke zu bauen». Zwei kleine Organisationen machen nun allerdings nicht mit: Die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva und der Grimselverein haben am Montag eine Einsprache gegen das Projekt eingereicht. «Mit dem Bau des Wasserkraftwerkes Trift würde diese (…) bislang unberührte Gewässerlandschaft von grosser Schönheit zerstört», schreiben sie.

Raimund Rodewald hat recht. Und es stimmt auch, dass ein neuer Stausee eindeutig das kleinere Übel ist als gefährliche AKWs und klimaschädliche Kohlekraftwerke. Wenn es einen Deal gäbe: Wir bauen die Trift und legen dafür ein AKW oder ein Kohlekraftwerk still, liesse sich kaum etwas dagegen sagen. Aber einen solchen Deal gibt es nicht – sondern Pläne zur Strommarktliberalisierung. Damit würde der Triftsee wohl vor allem zum Stromüberangebot beitragen, das die Preise tief hält und die Verschwendung ankurbelt.

Wer es ernst meint mit dem Klimaschutz, sollte nicht zuerst die Erneuerbaren ausbauen. Sondern vor allem möglichst schnell die Fossilen loswerden.

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