Nr. 06/2018 vom 08.02.2018

Down the Line

Stefan Gärtner sucht einen guten Kolumneneinstieg

Von Stefan Gärtner

Nachdem bekannt geworden ist, dass an der Universität Fribourg Affen im Tierversuch Kokain ausgesetzt werden, geht eine Welle der Empörung durchs Land: Unter dem Hashtag #MeTooPlease haben sich zahlreiche Prominente aus Showgeschäft und Politik gegen die Verschwendung wertvoller Rohstoffe

Nachdem bekannt geworden ist, dass an der Universität Fribourg armen Affen in Experimenten Kokain verabreicht wird, hat Politschlageroldie Konstantin Wecker Tausende Solidaritätsmails erhalten. «Dafür sage ich Danke», so Wecker auf «Spiegel Online». «Ich kann meine Fans allerdings beruhigen: Auch wenn ich nach wie vor verwundbar bin, so arm bin ich gar nicht. Den Affen von Freiburg möchte ich allerdings ein neues Lied widmen: ‹Ich singe, weil ich ein Glied hab.› Gibts im Netz noch gar nicht, den Witz, unglaublich eigentlich, super, danke!»

Nach dem Bekanntwerden von Kokain-Experimenten an Affen sieht sich der ehemalige Walliser CVP-Grossrat Xavier Bagnoud, der vor zehn Jahren in einen Kokainskandal verwickelt war, rehabilitiert. Auf einem Handyvideo war damals zu sehen, wie der Politiker nackt in einem Hotelzimmer zwei Linien zog. «Diese Affen da haben auch nichts an, und jeder sagt, oh, die armen Kerlchen! Und bei mir haben alle damals so ein Geschrei gemacht. Kann ja ich nichts dafür, dass ich kein Langschwanzmakake bin, höchstens teilweise, aber diese Doppelmoral ist mal wieder typisch für

Auch an der Universität Zürich wird laut «SonntagsBlick» seit längerer Zeit wieder an Affen geforscht, um zu neuen Erkenntnissen über die Behandlung psychischer Krankheiten zu gelangen. Zu Experimenten mit Kokain soll es aber einer Sprecherin zufolge nicht kommen: «Wenn uns mal so ein bekokster Affe ausbüxen und im Bankenviertel verschwinden würde, wäre es ja praktisch unmöglich

Nach dem Kokainskandal von Fribourg hat sich der Winterthurer Kultcartoonist Ruedi Widmer gegen Tier- und Kokainversuche ausgesprochen: «Jeder weiss doch, wie Koks wirkt. Ich habe es einmal ausprobiert, war drei Stunden am Stück wach, habe wie im Rausch einen halben Witz angedacht. Kann ich nicht empfehlen. Wie war die Frage?»

In den Skandal um die Kokainmakaken von Fribourg hat sich jetzt auch die SVP eingeschaltet. «Der Vorfall bestätigt unsere Haltung, wonach es Ausländer sind, Kanaken, die einen erheblichen Anteil am Schweizer Drogenproblem haben», so ein möglicherweise schwer betrunkener Sprecher

Nach dem Skandal um Kokain-Experimente an Affen hat die Universität Fribourg Konsequenzen gezogen und ist auf Marihuana-Experimente am Menschen umgestiegen: «Yeah», so ein Mitarbeiter am Telefon glucksend. «Ich muss … Ich muss jetzt erst mal in die Kantine und dann mit ein paar Schokoriegeln und Kartoffelchips ‹Weltwoche Daily› gucken. Das kommt so geil … Schreiben Sie: Experiment geglückt, Affe tot. Oder schreiben Sie irgendwas. Wollen Sie vielleicht einen Schokoriegel?»

Nach den skandalösen Koks-Experimenten sprechen jetzt die Affen: «Wer sich daran erinnern kann, war nicht dabei», so Affe Bobo

Stefan Gärtner (BRD) war Redaktor bei der «Titanic» und ist heute Schriftsteller und «linksradikaler Satiriker» («Die Zeit»). An dieser Stelle nimmt er das Geschehen in der Schweiz unter die Lupe.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Unterstützen Sie die WOZ als Ganzes mit einer Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr

Drücken Sie ihr Interesse am Text Down the Line aus und tätigen Sie eine spezifische Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr