Nr. 07/2018 vom 15.02.2018

So was von selber schuld

Von Stephan Pörtner

Eingelullt von Tiefstpreisen und heimgelockt von als unaufschiebbar empfundenen Projekten, nahm Abenufen, anstatt mit einem Gefühl überlegener Cleverness und kosmopolitischer Gleichgültigkeit den Heimflug anzutreten, seinen Platz in der Schlange der Menschen ein, die, genau wie er selber, aufgrund ihrer Knausrigkeit und Schlaumeierei jeden Anspruch auf Mitleid und den zur Schau gestellten Unmut über falsche Ansagen und unerklärliche Verzögerungen verspielt hatten. Als spätabends das Flugzeug bestiegen und mitternächtens der Zielflughafen erreicht war, wurde Abenufen mit einem Mal klar, dass die Billigfliegerei nicht bloss ein ökologisch verwerfliches Fehlkonzept war, sondern auch ein Gewöhnungsprogramm, das den Mittelstand auf seinen bevorstehenden Abstieg vorbereiten sollte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» wird aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle im Theater am Hechtplatz in Zürich aufgeführt. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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