Nr. 11/2018 vom 15.03.2018

Racheparagraf

Von Stephan Pörtner

Die Zopfigkeit abgehalfterter Binsenweisheiten hinderte diese nicht daran, weiterhin und oft nur oberflächlich abgewandelt durch die sozialen und traditionellen Medien zu fegen, nicht selten als Einsichten, ja Meinungen gar, angepriesen. Weil das nun wirklich nicht zur Bereicherung der Gesprächskultur oder zur Mehrung von Wissen und Einsicht beitrug, beschloss der Hinterbänkler Guggensatz kurz vor seiner zu befürchtenden Abwahl, eine Motion einzureichen, in der er forderte, die Weiterverbreitung derselben unter die mittels Gesetzesreform wieder einzuführende Prügelstrafe zu stellen. Aufgrund der Verstaubtheit dieses nur schwach kaschierten Racheparagrafen unterzog ihn der Ausschuss wider die parlamentarische Kauzigkeit einer Radikalkur, die ihn verstörter denn je zurückliess.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.