Nr. 12/2018 vom 22.03.2018

Valara und die Gerechtigkeit

Von Karin Hoffsten

Jeder fühlende Mensch hat doch hin und wieder genug von Krieg, Verbrechen und anderen Abgründen – diesen Zustand ergriff in dieser Woche auch das WOZ-Kollektiv. Aus allen Redaktionsecken zwitscherte es mir zu: Schreib doch über Valara!

So hat die Boulevardpresse das neue Schweizer Traumpaar getauft, wobei mir persönlich Lavalon, Ramigut oder Behlara auch gut gefallen hätte: Die Skifahrerin Lara Gut (26) und der Fussballer Valon Behrami (32) haben ihre Liebe öffentlich gemacht; der «Blick» nannte sie umgehend «die Schöne und der Krieger», was ich ein bisschen asynchron finde. Wenn schon, gehört zum Krieger die Schnelle oder zur Schönen der Blondierte.

Ihre Liebe sei Valara von Herzen gegönnt, aber weil beide LeistungssportlerInnen auf hohem Niveau sind, fällt mir schon wieder eine unangenehme Frage ein: Müssten sie nicht den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit bekommen? Valon hat nämlich schon einen Ferrari, während Lara noch vom Audi R8 träumt.

Jetzt sagen Sie nicht, das habe doch mit der Sportart zu tun und nicht mit dem Geschlecht. Wie ich gerade in der «Bilanz»-Kolumne von Kurt W. Zimmermann, Chefredaktor der Zeitung «Schweizer Journalist», gelesen habe, hat alles im Leben seine natürlichen Gründe: «Profifussballer verdienen dutzendfach so viel wie Profifussballerinnen. Niemand findet das stossend. Die Männer spielen einfach besser, darum ist Ungleichheit Gerechtigkeit.»

Dann schreibt er auch noch was über gerechte Schimpansen, aber darüber denke ich ein andermal nach.

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