Nr. 13/2018 vom 29.03.2018

Leichenmahl-After-Hour

Von Stephan Pörtner

Der Umstand, dass Beerdigungen immer wieder Konzerten, Tanzveranstaltungen und Fussballmatches den Rang als soziale Topevents abgelaufen und Leichenmahle den Platz der After-Hour-Party eingenommen hatten, setzte das zahlen- und gesundheitsmässig zusehends angeschlagene, einst Szenevolk genannte, der Alternativkultur, der Tabakindustrie und dem Trinken über den Durst mehrheitlich noch immer verpflichtete Publikum zunehmend unter Druck. So garantierte das sich häufende Ableben von als unsterblich – im Sinne von nicht vergehendem Unkraut – eingeschätzten Freundinnen und Freunden zwar an frühere, für viele als besser in Erinnerung bleibende Zeiten gemahnende Zusammenkünfte, doch war allen klar, dass diese im vollständigen Aussterben ihrer einst so vitalen Subkultur enden würden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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