Nr. 14/2018 vom 05.04.2018

Grenzzäune gegen das Wild

Von Susan Boos

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch – irgendwann wird sie die Schweiz erreichen. Insider sprechen nur von ASP.

Der böse Käfer breitet sich langsam von Osten her aus. Im Baltikum hat er im letzten Jahr 3000 Wildschweine und 40 Hausschweine getötet. Der Virus ist inzwischen in Polen, der Ukraine, Tschechien und Rumänien angekommen. Allein sprachlich ergibt das schon einen emotionalen Mix: afrikanisch – Pest – Osten.

Entsprechend sind die Reaktionen. Polen hat Anfang des Jahres entschieden, an seiner Ostgrenze einen Antiwildschweinzaun zu bauen. Die dänische Regierung gab vergangene Woche ebenfalls bekannt, dass sie an der Grenze zu Deutschland einen siebzig Kilometer langen Zaun bauen werde, um ASP abzuwehren – obwohl in Deutschland noch kein einziger ASP-Fall aufgetreten ist.

Im Gegensatz zum Vogelgrippevirus kann der ASP-Virus dem Menschen nichts anhaben. Ein befallenes Tier tötet er jedoch binnen einer Woche. Und kaum ein infiziertes Tier überlebt.

Da der Virus vor allem über das Blut übertragen wird, ist er nicht sehr ansteckend. In freier Wildbahn wird er zum Beispiel von Zecken weiterverbreitet oder von Wildschweinen, die an infizierten toten Artgenossen knabbern.

Fies ist der Virus, weil er ungemein robust ist. Er überlebt wochenlang in gekühltem oder konserviertem Fleisch. Um ihn abzutöten, müsste man ein infiziertes Kotelett mindestens zwanzig Minuten lang auf sechzig Grad erhitzen. Deshalb wird der Virus so leicht verschleppt. Das Bundesamt für Veterinärwesen, das kurz vor Ostern sein ASP-Früherkennungsprogramm vorgestellt hat, warnt denn auch: «Die grösste Gefahr für eine Einschleppung in die Schweiz geht gegenwärtig davon aus, dass Lebensmittel (Schinken, Salami und so weiter) aus Ländern mitgebracht werden, die von ASP betroffen sind. Durch sorglosen Umgang (zum Beispiel Wegwerfen an Autobahnraststätten im Wald) können mit dem Virus verseuchte Produkte von Wildschweinen aufgenommen werden.»

Die SchweinezüchterInnen, die sich panisch vor der Invasion der Ostwildschweine fürchten, täten besser daran, sich vor den Menschen zu fürchten – diese tragen den Virus durch ganz Europa.

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