Nr. 14/2018 vom 05.04.2018

Viel Kohle für den Kohleabbau

Von Daniel Stern

Keine westliche Bank hat letztes Jahr mehr Kredite für Kohleminen organisiert als die Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS). Dies geht aus der neusten Studie «Banking on Climate Change» hervor, die Ende März veröffentlicht wurde. Seit nunmehr neun Jahren analysieren grosse internationale Umweltorganisationen die Kreditvergabe von Grossbanken für «extreme» und besonders klimaschädigende Praktiken der fossilen Industrie wie den Betrieb von Kohleminen und Kohlekraftwerken, den Ölabbau in der Tiefsee und der Arktis, den Teersandabbau in Kanada und den Export von verflüssigtem Erdgas. Insgesamt stellt die Studie für 2017 einen leichten Anstieg der entsprechenden Kredite fest. Dies vor allem deshalb, weil verschiedene grosse Ölkonzerne ihr Teersandgeschäft an kleinere kanadische Firmen verkauft haben, die deswegen einen starken Finanzierungsbedarf hatten.

Während bei der Schweizer Grossbank UBS die Kreditvergabe in allen besonders klimaschädlichen Bereichen rückläufig war, hat sie bei der Credit Suisse im Gegenteil um über eine Milliarde US-Dollar auf über drei Milliarden zugenommen. Neben einem Anstieg von über 400 Millionen Dollar bei der Finanzierung von Teersandprojekten sticht vor allem ins Auge, dass die CS 2017 für Kohleminengesellschaften satte 1,1 Milliarden US-Dollar an Krediten besorgte, während es in den zwei Jahren zuvor noch 166 beziehungsweise 69 Millionen waren. Übertroffen wird sie in diesem Feld allein von vier chinesischen Grossbanken. Auch bei der Finanzierung von Kohlekraftwerken gehört die Credit Suisse 2017 wie schon im Vorjahr mit 939 Millionen zu den ganz Grossen.

Das starke Engagement der Credit Suisse im Kohlesektor ist nicht zuletzt deswegen besonders erstaunlich, da die globale Kohleindustrie unter Druck ist wie nie zuvor. Immer mehr Staaten verabschieden sich von der Kohleenergie, die als die klimaschädlichste überhaupt gilt. Doch die CS setzt offenbar auf US-Präsident Donald Trump, der den Klimawandel für ein Märchen hält und der Kohleindustrie Umweltauflagen aus dem Weg geräumt hat.

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