Nr. 14/2018 vom 05.04.2018

Das Leben ist ein auswegloser Tanz

Von Florian Keller

Ein heruntergerockter Militärposten irgendwo im Niemandsland. Quietschend geht die klapprige Barriere hoch, und über die Grenze schlurft: ein Dromedar. Einer der Soldaten tanzt in einer Musicalnummer gegen die Leere an, die Baracke, wo die jungen Männer in Kampfmontur ihren Hackbraten aus der Dose essen, sinkt jeden Tag etwas tiefer in den Dreck. Nur ab und zu herrscht Anspannung, weil doch mal ein Wagen an der Barriere hält: ein palästinensisches Paar, das sich schick gemacht hat für die Oper, oder auch ein kleiner Lieferwagen, vollgepackt mit Kriegsspielzeug.

Wir sind am Rand eines Kriegs, der längst Alltag geworden ist. Der stoische Witz, der die Absurdität der Situation herausstreicht, erinnert an das Kino eines Elia Suleiman, aber dies hier ist der neue Film des israelischen Regisseurs Samuel Maoz. Dessen Erstling «Lebanon» war noch radikal auf die Perspektive einer Panzerbesatzung beschränkt, in «Foxtrot» lässt er seinen ausgeprägten Stilwillen jetzt weiter kreisen.

Den Auftakt macht ein Kammerspiel in der Designerwohnung eines erfolgreichen Architekten (Lior Ashkenazi), den die Nachricht erreicht, dass sein Sohn Jonathan (Yonaton Shiray) als Soldat gefallen sei. Auf den Schock folgt die Trauer, dann die Wut. Der lange Mittelteil zeigt dann Jonathan mit seinen Kameraden auf ihrem Aussenposten. Am Ende sind wir zurück bei den trauernden Eltern, und wieder ist alles nochmals ganz anders in diesem Triptychon über Schuld und bürgerliche Lebenslügen.

So wechselt Samuel Maoz immer wieder die Spur in diesem Film – ganz anders, als der Titel suggeriert. Foxtrot ist ja der Tanz, bei dem man nach vier Schritten immer wieder exakt dort landet, wo man schon mal war – hier eine Metapher für die ewigen Kreisläufe im Nahostkonflikt wie auch für die traumatischen Schlaufen der eigenen Biografie, denen man nicht entkommt. Dabei findet jedes Motiv letztlich sein tragisches Echo: das lustige Dromedar zu Beginn genauso wie die rollende Dose, mit der die Soldaten das Gefälle in der sinkenden Baracke messen.

Jetzt im Kino.

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