Nr. 16/2018 vom 19.04.2018

Von Caroline Baur

Neues aus der Indy-Kiste

A Place to Bury Strangers aus New York sind mit ihrem dröhnenden, atmosphärischen Shoegaze-Sound aus der Versenkung aufgetaucht. In der Reisetasche bringen sie ihr neues Album, «Pinned», mit. Darauf haben sie vielleicht etwas den pumpenden Noise ihrer Gitarren bereinigt. Aber ihre unzerstörbaren Independentseelen sind die alten geblieben – samt den entschleunigten, wohligen Stimmen wie auf Heroin. Eine frische Note gewinnt A Place to Bury Strangers durch Lia Simon Braswell, die so energisch Schlagzeug spielt, dass sie das im Stehen tut. Auf ihrem letzten Album, «Strange Moon», aus dem Jahr 2013 erwiesen A Place to Bury Strangers mit einigen Covers der legendären, mittlerweile zu zwei Dritteln begrabenen Punkband Dead Moon ihre Reverenz. Ein guter Ort, um nicht zur Ruhe zu kommen.

A Place to Bury Strangers in: Winterthur Salzhaus, Di, 24. April 2018, 20 Uhr. www.salzhaus.ch

Stummes Leben

Cindy Van Acker ist quasi eine Naturwissenschaftlerin im Feld der Choreografie. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch minimalistische Gesten und sensible Präzision aus. In einem Genre, in dem oft zwischenmenschliche Beziehungen emotional vermittelt werden, fungieren die TänzerInnen in Van Ackers Stücken vielmehr als Material, um Schwerkraft, Bewegung und Modulation darzustellen und Zeit als Ausdehnung oder Zäsur im Raum zu erforschen. In «Speechless Voices» kontrastiert Van Acker die experimentellen musikalischen Kompositionen von Mika Vainio mit repetitiven Bewegungen, wodurch ein rhythmisches, aber fragiles Zusammenspiel entsteht.

Cie Greffe / Cindy Van Acker «Speechless Voices» in: Basel Kaserne, Fr/Sa, 20./21. April 2018, 20 Uhr. www.kaserne-basel.ch

Blues aus der Sonne

Fatoumata Diaware singt den weichen, aber genau deshalb schmerzenden Blues aus ihrem Herkunftsland Mali. Im Dokumentarfilm «Mali Blues» von Lutz Gregor lernt man in Diawara eine Frau kennen, die sich weigert, ihr Geburtsland den reaktionären politischen Kräften zu überlassen. Sie trägt ihre Musik direkt in die Dörfer, wo sie gegen islamistische Rebellen, Zwangsheirat oder die Beschneidung junger Mädchen ansingt und Diskussionen mit Menschen jeden Alters anzettelt. Dabei verliert sie weder als Person noch in ihrer Musik jemals ihre ansteckende Heiterkeit. Wer sie in Zürich im März verpasst hat, kann sie kommendes Wochenende am Jazzfestival Cully in der Westschweiz hören.

Fatoumata Diawara in: Lausanne Jazzfestival Cully, Sa, 21. April 2018, 20.30 Uhr. www.cullyjazz.ch

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