Nr. 16/2018 vom 19.04.2018

Hoch lebe die Zivilisation!

Von Karin Hoffsten

In letzter Zeit hört man häufig, die Zivilgesellschaft habe eine politische Entscheidung beeinflusst und nicht etwa die herkömmlichen Parteien und Verbände; dann frage ich mich, ob denen eigentlich schon bei der Gründung jegliche Form von Zivilisation abgeht, denn was da zum Teil geboten wird, erscheint oft höchst unzivilisiert. Aktuelles Beispiel ist der parlamentarische Beschluss, Versicherungsdetektive einsetzen zu wollen; das dem zugrunde liegende Dauermisstrauen gegen unten findet sich gehäuft in sogenannt rechtsbürgerlichen Parteien. Jetzt muss die Zivilgesellschaft Unterschriften für ein Referendum sammeln.

Die ursprünglich praktische Idee, dank Zusammenschluss zur Partei nicht ständig alles neu erfinden zu müssen, kann geradezu ausarten, wenn ExponentInnen steinernen Antlitzes eine Parteilinie vertreten, obwohl ihnen längst dämmern müsste, dass sie Schwachsinn verzapfen. Hübsch anzuschauen war das kürzlich, als der Professor und SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt auf Tele Züri die Meinung vertrat, Waffen als solche seien ja nicht … Ach, Sie kennen die Litanei. Dass inzwischen auch der Schweizer Polizeibeamtenverband für die Verschärfung des Waffenrechts ist, steckte dem Mann sichtlich quer im Hals.

Im Aargau will jetzt ein SVP-Grossrat die Gewerkschaft des Staatspersonals präsidieren. Sollte das andeuten, dass sich die SVP nach diversen Wahlverlusten auf ziviles Gedankengut besinnen will, wäre es fast erfreulich. Soll so mal wieder ein Bock zum Gärtner gemacht werden, weniger.

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