Nr. 16/2018 vom 19.04.2018

Rockoper mit Partyappell

Von Georg Gatsas

Seit seinem ersten Album, «I Get Wet» von 2001, verkündet der New Yorker Rockmusiker Andrew W. K. eindeutig, worum es ihm in seinem gesamten Werk im Kern geht: Party Hard! Leben heisst Feiern, Feiern heisst Existieren. Auch auf seinem Comebackalbum «You’re Not Alone» macht er gleich mit dem Opener «The Power of Partying» klar, dass damit noch lange nicht Schluss ist. Andrew W. K. zielt, wie er selber sagt, auf den «Sound von reiner, unverfälschter Energie», auf Musik, die so hoch konzentriert ist wie ein «dickflüssiger Sirup von Superlebenskraft». Wobei man bei solchen Parolen nie so genau weiss: Zeugt das nun von der Selbstironie des Partyzenmeisters, oder meint er das etwa ernst?

Was er unter seinem Supersirup versteht, zeigt Andrew W. K. gleich darauf mit «Music Is Worth Living For». Die gnadenlos treibenden Riffs bringt er mit einfachen Mitteln zum Knallen, das Schlagzeug stampft im Viervierteltakt, und darüber hämmern und klimpern die Synthesizer. Im Refrain wechselt Andrew W. K.s Reibeisenstimme ins Falsett. Das erinnert unweigerlich an Powermetal, wie sich der 39-Jährige auf «You’re Not Alone» überhaupt die ganze Geschichte des Achtziger-Jahre-Heavy-Metal einverleibt hat: von Iron Maiden über Glam bis zur Powerballade, von Meat Loaf zu Crossover Trash. Dank bombastischer und extrem lauter Pro-Tools-Produktion klingt das dennoch kein bisschen retro.

Auf dem fast komplett im Alleingang eingespielten Werk finden sich auch drei Spoken-Word-Stücke. Hier spannt Andrew W. K. einen Bogen zu seinen Tätigkeiten als Radiomoderator, Ratgeberkolumnist, Clubbesitzer und Motivationssprecher. So funktioniert dieses Album auch als Rockoper mit Appell zur Party. Die American Association of Suicidology, eine Organisation zur Selbstmordprävention, kürte den Rocker kürzlich für seine «lebensbejahende Musik und positiven Texte» zur Person des Jahres – zu Recht: Wäre Euphorie ein Musikgenre, hätte es in Andrew W. K. den besten Vertreter. Wie sein neustes Album überhaupt eine grossartige Alternative in Zeiten der boomenden Optimierungsindustrie ist.

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