Nr. 16/2018 vom 19.04.2018

Knäuel und Ausschlüsse

Von Rahel Locher

Die Bewegungen sind mal mächtig, ungezügelt, ausgreifend, mal ganz fragil, sachte und in sich gekehrt. Die Körper wirbeln mit akrobatischem Gestus über die Bühne, im nächsten Moment bewegen sich bloss noch Hände, Finger, Gesichtszüge. Energiegeladen sind die sieben jungen Menschen durchgängig, die im Tanztheaterstück «What We Are Looking For» mit einem breiten Bewegungsrepertoire ganz unterschiedliche Stimmungen ausdrücken. Beispielsweise, wenn fünf von ihnen mit angeekeltem Gesichtsausdruck und betont gelangweilter Pose die Darbietung der beiden anderen kommentieren.

Musik und Tanz stehen an diesem Abend ganz klar im Vordergrund. Als verbindendes Element wirken Fragen, die dem Stück des Choreografen Ives Thuwis-De Leeuw («Männer») zugrunde liegen: Wie stehen wir miteinander in Verbindung? Wie funktioniert eine Gruppe, was hält sie zusammen, was treibt sie auseinander? Die Tanzsequenzen prägt ein rascher Wechsel von Nähe und Distanz, Verbündung und Feindseligkeit. Die TänzerInnen verschmelzen in einem wilden Knäuel aus Armen und Beinen, um gleich darauf wieder eine Person abzustossen.

In den wenigen gesprochenen, meist monologischen Einschüben geht es mehrfach um Zugehörigkeit und Ausgrenzung. Was genau ist jetzt in, was ist out? Wie komme ich mit dem, was ich tue, bei den anderen an – wenn ich mich selbst dabei als mittelmässig empfinde? Werden meine Eigenheiten wertgeschätzt? Gibt es eine Person, die es anspricht, dass ich nicht mitkiffe – oder bin ich für alle bloss die, die anders ist? In diesen Monologen treten einzelne SchauspielerInnen aus der Gruppe hervor, um sich gleich darauf wieder in ihr aufzulösen.

Das Fehlen durchgängiger Figuren gibt dem Stück einen fragmentarischen Charakter. Der Abend lässt ein merkwürdiges Bedeutungsvakuum zurück. Gut in Erinnerung bleiben hingegen der enorme Drive und die ausgefeilte Art, wie die TänzerInnen in den Choreografien und Einzelauftritten Gemütszustände plastisch verkörpern.

«What We Are Looking For». Choreografie: Ives Thuwis-DeLeeuw. Vorführungen siehe www.jungestheaterbasel.ch.

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