Nr. 18/2018 vom 03.05.2018

Schuften im Sweatshop

Für die norwegische Webdoku «Sweatshop – Deadly Fashion» wurden drei Modebloggerinnen im Alter zwischen 17 und 21 Jahren nach Kambodscha geschickt. Ihre Mission: Sie sollten in den Textilfabriken schuften, wo ihre Lieblingskleider herkommen. Nach den Motiven der Dokuserie beleuchtet das Schauspielhaus Zürich jetzt zusammen mit dem Jungen Theater Basel den obszönen Kern der schillernden Modewelt. Regisseur Sebastian Nübling hat das Stück zusammen mit der Autorin Güzin Kar erarbeitet.

«Sweatshop» in: Zürich Schauspielhaus. Sa, 5. Mai 2018, 20 Uhr (Premiere), So/Do, 6./10. Mai 2018, 19 Uhr. Weitere Vorstellungen siehe www.schauspielhaus.ch.

Florian Keller

Schreddern mit Jlin

«Black Origami» heisst das neuste Album von Jlin, das letztes Jahr die Bestenlisten stürmte. Die Kritik war sich einig: Die dreissigjährige Produzentin treibt Club- und Popmusik derart nach vorne, dass sie dabei nicht weniger als eine neue Form der elektronischen Musik entwickelt. Was passt zusammen, wo richtet sich das Gehör gemütlich ein? Jlin schreibt diese Regeln neu.

Boten ihr abgebrochenes Ingenieurstudium und ihre Schichtarbeit in einer Stahlfabrik in ihrer Heimatstadt Gary, Indiana, den Antrieb für die industriellen Sounds und die kompromisslose Härte des Vorgängers «Dark Energy» (2015), so ist sie auf ihrem neuen Album im Sound der Gegenwart angekommen: Melodien werden aufgesprengt, treiben nicht vorwärts, sondern spiralförmig nach oben. Footwork wird zerschreddert, zersplittert und neu mit westafrikanischer Perkussion zusammengesetzt, ununterbrochen schiessen Sound- und Stimmenschnipsel durch die rhythmische Psychedelik. Live manifestiert sich dieser Sound als kinästhetische Wahrnehmung, als spürbare Entladung gegen die Verhärtung der Realität.

«Die lange Nacht der elektronischen Musik» mit Jlin, Peder Mannerfelt, Stine Janvin in: Bern Dampfzentrale, Do, 10. Mai 2018, 21 Uhr.

Georg Gatsas

Leben in Liedern

«Ich hab keine Lust, meine Pflicht zu erfüllen, für dich nicht, für mich nicht, ich hab keine Pflicht», sang (oder schrie) Nina Hagen 1978 gegen Schwangerschaft und Mutterpflicht an. Die aus der DDR stammende Sängerin, die 1976 ausgebürgert wurde, wird gerne auch als «Godmother of Punk» bezeichnet. In ihrer Show für Nina Hagen spielt sich die Schauspielerin Sylvia Garatti mit ihrer Band quer durch die Lieder und das Leben der Punkikone, die immer wieder für Überraschungen sorgt.

«To the Godmother of Punk: Die Show für Nina Hagen» in: Bern Tojo Theater, Fr/Sa, 4./5. Mai 2018, 20.30 Uhr; So, 6. Mai 2018, 19 Uhr.

Silvia Süess

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