Nr. 18/2018 vom 03.05.2018

Lohngleichheit – Punkt. Schluss.

Etrit Hasler kennt Verbote, die nur für Frauen gelten

Von Etrit Hasler

Im Zeichen des diesjährigen 1. Mai möchte ich mich dem im Titel erwähnten Motto der Gewerkschaften anschliessen: Wobei es im Sport leider nicht «nur» um Lohn geht – in kaum einem Bereich nimmt die Ungleichbehandlung der Geschlechter solch absurde Formen an wie hier.

In meiner Lieblingssportart Ozumo (Sumoringen) zum Beispiel ist es Frauen seit Jahrhunderten nicht nur verboten, an den Kämpfen teilzunehmen, sondern ganz grundsätzlich untersagt, den shintoistisch geweihten Ring überhaupt zu betreten. Ein Verbot, das zum Beispiel dazu führte, dass die Siegestrophäe in Osaka plötzlich nicht mehr vom Präfekturgouverneur überreicht werden durfte, als im Jahr 2000 mit Fusae Ota zum ersten Mal eine Frau in dieses Amt gewählt wurde. Ota protestierte jahrelang dagegen, nicht zuletzt mit dem Hinweis, dass die Sportart ohne Frauen gar nicht überleben könnte (mehr als die Hälfte der ZuschauerInnen sind Frauen) – erfolglos. Als «Kompromiss» bot ihr der Verband an, sie könne den Pokal neben dem Ring übergeben, was Ota jedoch ablehnte.

Die Geschichte wurde erst wieder Anfang April aufgenommen, als anlässlich eines Schaukampfs in Maizuru der lokale Bürgermeister Ryoto Tatami während seiner Rede mitten im Ring einen Schlaganfall erlitt. Als drei Frauen in den Ring stürmten, um Erste Hilfe zu leisten, stauchte der anwesende Schiedsrichter diese zusammen, darunter eine Krankenschwester, die gerade damit beschäftigt war, am bewusstlosen Tatami eine Herzmassage durchzuführen.

Ein Video davon ging viral, und die Empörung war gross, wobei in sozialen Medien schnell auch die Meinung geäussert wurde, dass «militante Feministinnen bestimmt die Gelegenheit für sich ausnutzen [würden]». Der Sumoverband entschuldigte sich zwar im Namen des Schiedsrichters, zog aber nicht im Geringsten in Betracht, die Regel zu überdenken.

Auch in den USA erhitzt derzeit eine Ungleichbehandlung die Gemüter: American Football ist so sehr Männerdomäne, dass die einzige professionelle Frauenliga tatsächlich bis 2013 unter dem Namen «Lingerie Football» lief – mit Teams wie «Dallas Desire» und «San Diego Seduction», die zur Ergötzung eines männlichen Publikums in Unterwäsche einem Ball hinterherrennen.

Was nicht heissen soll, dass die Profiliga NFL ganz auf Frauen verzichtet: Seit die Baltimore Colts 1954 das Konzept in den Sport einführten, gehören Cheerleaderinnen zum Football wie die Nationalhymne. Wobei schon längst bekannt ist, dass sie dafür knapp mehr als den gesetzlichen Mindestlohn verdienen – wobei sie aber ihre Uniformen selber bezahlen und häufig als Teil ihres Lohns noch Kalender verkaufen müssen, in denen sie selber in Unterwäsche oder Badebekleidung abgebildet sind.

So weit, so normal – leider. Als Bailey Davis, eine Cheerleaderin für die New Orleans Saints, im Januar 2018 fristlos entlassen wurde, weil sie auf ihrem privaten Instagram-Profil ein Selfie im Negligee gepostet hatte, nahm sich die «New York Times» der Sache an – und deckte auf, unter welchen Bedingungen Cheerleaderinnen arbeiten müssen: Verbot von «gewagten» Bildern, Kontaktverbot gegenüber der Mannschaft (angeblich geht dieses so weit, dass Cheerleaderinnen einen Raum verlassen müssen, sobald ein Spieler hereinkommt – auch wenn sie gerade in einem Restaurant am Essen sind).

Davis hat inzwischen eine Klage gegen die NFL eingereicht – der sich mehr als sechzig Cheerleaderinnen angeschlossen haben. Ihre Chancen vor Gericht werden von ExpertInnen als gut eingeschätzt – was aber nicht heisst, dass sie zum Schluss als Siegerinnen dastehen werden. Als die Cheerleaderinnen der Buffalo Bills 2014 ihr Team verklagten, reagierte der Verein, indem er kurzerhand auf sie verzichtete. Die Klage soll im kommenden Jahr vor Gericht verhandelt werden.

Etrit Hasler ist Slampoet, Kantonsrat und bedingungsloser Verfechter der Lohngleichheit – die wenigstens bei der WOZ tatsächlich praktiziert wird.

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