Nr. 18/2018 vom 03.05.2018

Bundesrätliche Rückblicke

Ruth Wysseier über Freud und Leid auf höchster Ebene

Von Ruth Wysseier

Dass Didier Burkhalter eher ein Sensibler ist, wissen wir spätestens seit dem Interview, in dem er neulich auf RTS über die Gründe für seinen Rücktritt sprach. Er habe gelitten, wenn er erschüttert aus Krisengebieten zurückkam und seine Kamerädli ungerührt Waffenexporte durchwinkten. Und dann hätte er sich auch noch gleiche Löhne für Frauen gewünscht. Frauenrechte, ausgerechnet. Erstaunt hat, mit wie viel Häme er in Medienkommentaren dafür bedacht wurde: Hach, der ehemalige Aussenminister, ein Weichei, ein Lieber und Netter.

Falls sein Beispiel Schule macht, stehen uns bald weitere Geständnisse von zurücktretenden BundesrätInnen ins Haus. Um den Schock für Medien und Öffentlichkeit abzufedern, sollte man sich besser darauf vorbereiten.

Wieso will Doris Leuthard 2019 nicht mehr antreten? Hat sie schlaflose Nächte, wenn sie an Beznau denkt? Die amtsälteste Bundesrätin der Schweiz ist doch weitaus fitter als das amtsälteste AKW der Welt. Soll Beznau so lange im Dienst bleiben wie die Queen von England? Wie will Leuthard das vor der Nachwelt rechtfertigen? Wird es dann noch eine Nachwelt geben?

Völlig im Dunkeln liegt, ob Johann Schneider-Ammann etwas bedauert, weil auch eher obskur ist, was er bewirkt oder versäumt hat in seiner Amtszeit. Vielleicht besucht er zukünftig als Clown Kinder im Spital, weil, Sie wissen schon: Rire, c’est bon pour la santé.

Ueli Maurer bereut gar nichts, deshalb will er auch noch nicht zurücktreten. Trotzig hat er angekündigt, dass er nächstes Jahr als 69-Jähriger noch einmal antreten will. Sorge kann das bereiten, weil ja das Gedächtnis mit dem Alter nachlässt. Und weil doch während seiner Zeit im VBS so viele Panzer verloren gegangen waren. Und er jetzt als Finanzminister einige Milliarden aus dem Haushaltsüberschuss hat verschwinden lassen, damit er weitere Sparprogramme legitimieren kann. Ob er noch weiss, wo er die hingelegt hat? Ich hatte auch eine Tante, die im Alter immer alles verlegte und dann behauptete, man habe sie bestohlen.

Guy Parmelin redet nicht von Rücktritt, wirkt aber nicht eben glücklich. Man fragt sich, ob sich das Verhältnis zu seinem Bruder verbessert hat. Der war ja der Feier zur Amtseinführung demonstrativ ferngeblieben. Einem TV-Reporter, der ihn an dem Tag besuchte, hatte er patzig erklärt, er müsse dringend die Reben des Familienbetriebs schneiden. Das war am 9. Dezember, und dabei weiss doch jede, dass man sich mit dem Rebenschneiden Zeit lassen kann bis Ende März. An VBS-Anlässen wird seither um des Familienfriedens willen Parmelin-Wein ausgeschenkt.

Zu Simonetta Sommaruga und Alain Berset fällt einem nur Trauriges ein. Die beiden SP-MagistratInnen werden dereinst mehr als ein Gläschen Parmelin brauchen, wenn sie in ihren Memoiren erklären wollen, warum während ihrer Amtszeit den Reichen so viel gegeben und den Armen so viel genommen wurde. Davon könnte nicht mal ein Wechsel in den Implenia-Verwaltungsrat ablenken.

Ruth Wysseier ist Winzerin und WOZ-Redaktorin.

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