Nr. 18/2018 vom 03.05.2018

Von Jürg Fischer

Metaphorische

Wie so viele andere Behörden landauf, landab hat auch die Staatskanzlei des Kantons Luzern vieles mitzuteilen. Täuschen wir uns, oder tut sie das besonders suggestiv, wenn sie mitteilt: «Luzerner Dialog Sozialpolitik: Behindertenpolitik als Querschnittaufgabe gemeinsam weiterführen»? Wir möchten das dann doch nicht weiter vertiefen. Doch unser Verdacht nährt sich weiter angesichts einer zweiten Meldung von derselben Stelle: «Zwei Schlüsselstellen im Justizvollzug werden neu besetzt.» Früher hätte man einfach kommentarlos zwei neue Wärter angestellt.

Hornlose

Und hören wir, was sich im Kanton Luzern ausserdem zugetragen hat, diesmal gemeldet von der Staatsanwaltschaft unter dem Titel «Rind auf Golfplatz ausgebüxt»: «Nachdem das Rind vorübergehend in einem nahegelegenen Wald verschwunden ist, konnten die Polizisten das Tier auffinden und zusammen mit dem Landwirten einfangen.» Für den Landwirt gilt die Unschuldsvermutung, durch die ungewohnte Beugung ist er gestraft genug.

Minderbemittelte

Aus Palma de Mallorca berichtete der «Tages-Anzeiger»: «Hinzu kommt, dass einige Billigtouristen den zurückgebliebenen Einheimischen durch nächtlichen Lärm den Alltag vergällen.» Immerhin sind die Zurückgebliebenen geistig noch so rege, dass sie der Radau stört.

Bezugsreiche

Auch die «SonntagsZeitung» meldet Bedenkliches: «Eine Frau müsse zehnmal so gut sein, um Chefin zu werden. Während ihren elf Jahren am Inselspital Bern hat sie gesehen, wie Männer reihenweise an Kolleginnen vorbeizogen, die fachlich unterlegen waren.» Ist hier die Quotenregelung total aus dem Ruder gelaufen? Nein, die Letzteren werden die Ersteren sein. 

Folgenreiche

Denkwürdig ist dieser Satz aus dem Magazin «BernPunkt»: «Immer mehr Unternehmen wird bewusst: Erfolgreiches Wirtschaften schliesst ein ökologisches und soziales Engagement nicht aus, sondern fördert und sichert den ökonomischen Erfolg langfristig.» Um das zu verstehen, kann man sich einmal das Gegenteil vor Augen führen: Wenn man keinen Erfolg hat, stellt sich auch der Erfolg nicht ein. Erfolg erfolgt immer infolge einer Erfolgsgeschichte. Wer keinen Erfolg sät, wird keinen Erfolg ernten.

Kontrafaktische

Die «NZZ am Sonntag» ging in ihrer Beilage «Bücher am Sonntag» weit in die Vergangenheit: «In ‹Dunkle Zeiten› erzählt der 41-jährige Deutsche Matthias Senkel von Tüftlern und Informatikern in der Sowjetunion der 1880er Jahre – und vom Glauben an die Programmierbarkeit der Welt.» Ehrlich gesagt, haben wir es auch einmal für möglich gehalten, dass die Sowjetunion dem Kapitalismus weit voraus ist beziehungsweise war. Inzwischen glauben wir nur noch, dass Papier geduldig ist. Das spricht nicht gegen Senkels Buch.

Launische

Der Wetterbericht auf srf.ch setzt sich dagegen naturgemäss mit der Zukunft auseinander. Und die lautete, bezogen auf den 1. Mai: «Der Dienstag bringt ein wechselhafter Tag.» Auch gegen diese Kapriolen protestieren wir am 1. Mai, und wenn es sein muss, das ganze Jahr.

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