Nr. 19/2018 vom 10.05.2018

«Widmerwoche» im Maien

Ruedi Widmer über Kreuz, König und eine leichte Dame

Von Ruedi Widmer

Kaum ist Louis Arthur Charles, das dritte Kind von Prinz William und Herzogin Kate, auf der Welt, ehelicht auch schon Thronthronthronfolger Prinz Harry seine Meghan Markle, und es werden daraus sicher weitere Thronfolger entwachsen, die dem hilflosen Prinz Charles im Rennen um den Thron im Nacken sitzen. Über Sechzigjährige haben auch im königlichen Arbeitsmarkt nicht mehr dieselben Chancen wie die Jungen. Jetzt rächt sich, dass Adlige nie Gewerkschaften gegründet haben.

Die CVP hat ein Problem mit ihrem linken Flügel, dem offenbar ausser Parteichef Gerhard Pfister alle CVPlerInnen angehören. Eigentlich hat sie eher ein Problem mit dem Möbel Pfister, das stoisch wie eine Wohnwand auf dem Zugerberg steht. So geschwächt, kann unsere C-Partei die dringende Kreuzdiskussion in der Schweiz nicht anstossen, die so wichtig wäre für den friedlichen Zusammenhalt des Vater- und Abendlands. Der neue Ministerpräsident Söder in Bayern macht es ja ganz geschickt, wie er da den Jesus in den Kulturkampf gegen den Islam schickt, statt selber nach Syrien in den Kreuzzug zu ziehen. Weil irgendwer muss auch zu Hause im Abendland bleiben und die Weisswürste und Brezen verspeisen, bevor sie von Flüchtlingen weggegessen werden.

Ziemlich garantiert würde jeder zweite evangelikale und verheiratete Trump-Anhänger eine Affäre mit Stormy Daniels beginnen. Man muss es nicht zu eng sehen mit Gott, man ist schliesslich Christ und nicht Muslim. Stormy Daniels wurde grundsätzlich von Gott erschaffen und die Chirurgie von einem Chirurgen, der ebenfalls – ganz wichtig – von Gott erschaffen wurde. Es ist immer noch 100 000-mal weniger schlimm, als im Namen von Gott Köpfe abzuschneiden.

Die Preisabsprachen in Graubünden wurden höchstwahrscheinlich zu Unrecht ans Licht gezerrt: Die Journalisten, die das in vielen Regionen völlig übliche Geschäft vermiest haben, haben den ganzen Bündner Regierungsratswahlkampf durcheinandergebracht und den Bündner Medienminister Hanspeter Lebrument beleidigt, der keine Unruhe vor den Wahlen akzeptiert und die Geschichte wenn schon selber in seiner «Südostschweiz» bringen wollte (also nur, wenn es die Zürcher ihm vorgängig mitgeteilt hätten, dass sie mit der Sache an die Öffentlichkeit gehen).

Lebrument wird die «Republik» vor das Somedia-Gericht in Chur zitieren. Gut, dass die vorlauten Jungspunde aus dem Zürcher Hotel Rothaus (an der Langstrasse!) mal ein bisschen zurückgepfiffen werden. Man will ja nicht wissen, was die dort alles anstellen in diesem sozialistischen Rotlichtmilieu. Aber es sei nochmals gesagt: Der «Skandal» in der Bündner Baubranche ist keiner, denn es ist sinnvoll, wenn sich Menschen einigen, statt sich zu bekämpfen. Gerade EU-Fans wie die Zürcher MainstreamjournalistInnen predigen das in anderen Fällen gerne.

Sind Preise noch zeitgemäss? In letzter Zeit erleben wir zunehmend Ärger mit Preisen, so mit dem Echo-Preis, den Friedens- und Literaturnobelpreisen, den Preisabsprachen in Graubünden und den unverschämt hohen Preisen für Mineralwasser an Hauptbahnhöfen, die selbst den wieder gestiegenen SBB-Billettpreisen Konkurrenz machen. So ist für den Preis eines lauwarmen Vittel-Wässerchens ohne Kohlensäure eine stündige Ersteklassefahrt über drei Zonen mit Halbtax möglich. Wie bei manch anderem sollte man auch bei den Preisen radikal durchgreifen: Bahnhofsshopbosse, Zürcher JournalistInnen, KünstlerInnen und Friedensfritzen gehören nicht mit Preisen überhäuft, sondern ganz abendländisch ans Kreuz genagelt, und die Preise in den Geschäften werden sinken, wenn man für verschiedene Einkommensklassen auch verschiedene Preise berechnet, ähnlich den Steuern: Die Armen sollen mehr, die Reichen weniger bezahlen.

Ruedi Widmer ist Cartoonist in Winterthur.

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