Nr. 23/2018 vom 07.06.2018

Multitasking einmal anders

Von Franziska Meister

Vielleicht erinnern Sie sich: Vor vier Wochen war an dieser Stelle von «Walgesängen auf der WOZ» die Rede. Nachdem also unser interner Chnorz mit den Arbeitsbedingungen im Grossraumbüro publik geworden ist, nehmen wir die neuste Arbeitsplatzstudie zum Anlass, um ganz ungeniert nachzulegen. Diesmal geht es nicht nur um Lärmbekämpfung, sondern gleich um das grosse Ganze: die (gefährdete) Gesundheit von uns GrossraumbürolistInnen. Denn so ein Bürojob macht fett, träge und depressiv. Chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Muskel-Skelett-Beschwerden drohen.

Bedenken Sie: Elf Stunden sitzt «der gemeine Bürolist» – diese Berufsspezies umfasst mittlerweile über vierzig Prozent aller LohnarbeiterInnen – tagtäglich auf seinem Hintern. Feststecken im Pendlerverkehr und Abhängen mit Feierabendbier auf dem Sofa inklusive.

Was also tun?, fragte sich das Institut für Arbeitsschutz in Köln und knöpfte sich gemeinsam mit der Sporthochschule dreissig Freiwillige der Deutschen Telekom vor. Während sechs Wochen fristeten diese ihr BürolistInnendasein an einem sogenannt dynamischen Arbeitsplatz. Sie pedalten beim Tippen und Telefonieren auf einer Art Tretmühle unter dem Schreibtisch. Taten sie dies regelmässig – mindestens eine Stunde täglich dreimal pro Woche –, zeigten sich deutliche Effekte. Den Leiter der Sporthochschule begeistern besonders die statistisch signifikant höhere Herzfrequenz und der gesteigerte Energieumsatz seiner Versuchskaninchen. Denn das beuge Übergewicht vor und verbessere sowohl Stimmung wie Arbeitsbereitschaft merklich. Und impliziert damit natürlich, dass sich all dies auch positiv auf die Arbeitsleistung auswirkt. Die Telekom jedenfalls will künftig viel mehr von diesen «bewegungsfördernden Arbeitsstationen» einsetzen.

Fehlt nur, dass beim Strampeln gleich noch Strom produziert und in den Computer eingespeist wird – und fertig ist die eierlegende Wollmilchsau.

Im real existierenden Sozialismus auf der WOZ sind Übergewicht wie schlechte Laune selbstverständlich gänzlich unbekannt.

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