Nr. 25/2018 vom 21.06.2018

Die Grenzen aufgehoben

Von Kaspar Surber

Kurz vor 14 Uhr schien die Berner Schützenmatte noch fast leer. Doch dann trafen immer mehr Busse ein, aus Zürich, Basel, St. Gallen, Genf und Lausanne. So waren es gemäss den MitorganisatorInnen von Solidarité sans frontières am Schluss rund 4000 Menschen, die am vergangenen Samstag in einer lautstarken Demonstration durch die Innenstadt zum Bundeshaus zogen. «Zwischen uns keine Grenzen» lautete das Motto. An diesem heissen Samstagnachmittag waren die Grenzen tatsächlich aufgehoben. Die physischen Schikanen zum einen: Mit der Fahrt nach Bern überwanden zahlreiche Asylsuchende die Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit, denen sie im Alltag ausgesetzt sind. Die politische Trennung zum anderen: An der Demonstration wurde nicht über die Rechte von Flüchtlingen diskutiert, hier forderten sie diese selbst ein. Die Mehrzahl der TeilnehmerInnen wartet auf einen geregelten Aufenthaltsstatus. Besonders gross waren die Gruppen von jungen Menschen aus Äthiopien und Eritrea. Auf Transparenten forderten sie das Recht auf Bildung und Arbeit sowie die Abschaffung von Ausschaffungen. Andere Slogans wiederum zielten auf die Bigotterie der Schweizer Politik. «Wer Waffen exportiert, importiert Flüchtlinge», hiess es zum aktuellen Entscheid des Bundesrats, die Kriegsmaterialausfuhr weiter zu lockern. «Tourismus ist Migration mit Privilegien», war passend zur Sommerferienreisezeit zu lesen.

Zur Kundgebung aufgerufen hatten rund sechzig asylpolitische Gruppen aus der ganzen Schweiz, die untereinander gut vernetzt sind. Sie hatten im Vorfeld daran erinnert, dass die Schweiz im Dezember seit zehn Jahren am Dublin-System mitbeteiligt sein wird. In dieser Zeit hat sie mehr als 30 000 Flüchtlinge in europäische Staaten zurückgeschafft. Als am Schluss der Kundgebung vor dem in der Sonne glänzenden Bundeshaus Fahnen aus Äthiopien neben solchen aus der Schweiz wehten, wurde einmal mehr deutlich: Die Migration lässt sich nicht aufhalten, aller Grenzsicherung zum Trotz.

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