Nr. 25/2018 vom 21.06.2018

Israelkritik

«Antisemitismus: Am Schluss gehts immer um den Nahostkonflikt», WOZ Nr. 23/2018

Der Artikel über linken Antisemitismus beziehungsweise Anti-Antisemitismus ist einer mehr, der Kritik am Staat Israel und der Politik ihrer Regierung mit Antisemitismus gleichstellt. Und das in der WOZ!

Was heisst denn «obsessiv kritisiert» eigentlich? Wie kann man denn ein Land kritisieren, das obsessiv ungerecht und brutal mit einem Volk umgeht, dessen Land – wohl aus tiefer Scham wegen der fehlenden Hilfe für die Verfolgten des «Dritten Reichs» – einfach seinen Bewohnern entzogen und den Überlebenden der Schoah zugesprochen wurde?

Wie indoktriniert sind wir eigentlich, dass der Staat Israel für Kritik tabu ist? Wir kritisieren doch auch andere Staaten wie die USA, Russland oder die Schweiz, ohne deswegen einer religiösen Verunglimpfung bezichtigt zu werden. In meinen Augen ist es absolut kein Widerspruch, jüdische Menschen und ihre Religion zu achten und den Staat Israel zu kritisieren.

Maya Eggimann, Diessbach

Bürokratie-Wettbewerb

«Service public: Dü-da-doo, Dividendenauto», WOZ Nr. 24/2018

Die Vergabe der Fernverkehrskonzessionen durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) entwickelt sich zu einer weiteren Posse, einem hilflosen Versuch, mit Bürokratie Marktwirtschaft zu basteln.

Eigentlich weiss wohl auch das BAV, dass ein SBB-Monopol für den Fernverkehr auf dem hoch belasteten Schweizer Schienennetz bisher gut funktioniert und ein «natürliches» Monopol ist. Das spürt man an den hilflos wirkenden Erklärungen, mit denen der BAV-Sprecher den bürokratisch konstruierten Wettbewerb rechtfertigen muss. Glaubhaft wirken diese Versuche in keiner Weise. Aber unsere wettbewerbsversessene libertäre Politik hat es so beschlossen: Wettbewerb überall, auch dort, wo er mit riesiger Bürokratie gebastelt und dann überwacht und kontrolliert werden muss.

Ähnliches, wenn auch unter anderen Vorzeichen, erleben wir in der Gesundheitspolitik, mit dem Postauto-Skandal und so weiter. Die Post-Oberen haben sich eben – unrechtmässig – nach jener Marktlogik verhalten, die ihnen die Politik mit Wettbewerb aufgezwungen hat: Wenn jeder für sich schaut, geht es allen gut.

Im Liberalisierungsübereifer haben wir in den letzten Jahrzehnten verlernt zu unterscheiden, wo Wettbewerb volkswirtschaftlich und gesellschaftlich nützlich ist und wo er krankhaft erzwungen wird und insgesamt schädlich wirkt.

Samuel Mauch, Oberlunkhofen

Eigenverantwortung

«Biodiversitätsverlust: Beim letzten Mal traf es die Dinos», WOZ Nr. 24/2018

Sie schreiben: «Auch die industrielle Landwirtschaft verbraucht Boden, statt ihn zu erhalten.» Ich träume immer noch davon, dass die WOZ das Kind beim Namen nennt. Es ist vor allem die industrielle Tierausbeutungsindustrie – beziehungsweise die Tierprodukte verzehrende Menschheit –, die den Boden verschlingt. 1,6 Millionen Tonnen Getreide und Hülsenfrüchte werden in der Schweiz jährlich an Tiere verfüttert (zum Beispiel durchschnittlich 730 Kilogramm pro Jahr an eine Milchkuh). Über fünfzig Prozent davon stammen aus dem Ausland. Ausserdem entstehen in der Schweiz jedes Jahr mehrere Milliarden Liter Gülle. Über diese gelangen unter anderem Hormone und multiresistente Keime in Umlauf und schaden der Biodiversität massiv! (An Tierhaltende werden jährlich bis zu 40 Tonnen Antibiotika verkauft, 2,4 Tonnen davon teilweise Reservemedikamente aus der Humanmedizin.) Zusätzlich werden massenhaft Tierprodukte und -leichen aus dem Ausland importiert. Die dort entstehende Gülle und Landverschwendung muss also mitgerechnet werden.

Sie schreiben weiter: «Richtig organisiert kann die Landwirtschaft (…) die Biodiversität fördern, also ein Teil der Lösung sein.» Dazu meine ich: Richtig informiert können die Konsumierenden entscheiden, ob sie weiterhin ihr eigenes Grab schaufeln möchten oder ob sie ein Teil der Lösung werden. Erst wenn wir unser Verhalten ändern, wird sich «die Landwirtschaft» – beziehungsweise die Haltung der Entscheidungstragenden – verändern. Wird beispielsweise der Anbau von Hülsenfrüchten stärker subventioniert als der von Tierleidprodukten, werden Millionen von Steuergeldern in die Werbung für diese fantastischen Eiweisslieferanten fliessen. Träumen darf mensch ja immer …

Christine Gardola, Dielsdorf

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