Nr. 25/2018 vom 21.06.2018

«Stonewall war ein Krawall!»

Von Merièm Strupler

Unter dem Motto «Same Love – Same Rights» nahmen am Samstag rund 24 000 Menschen an der Zürcher Pride teil, einer Art Street Parade der LGBTIQ-Bewegung. Das Organisationskomitee verzeichnete RekordteilnehmerInnenzahlen. Doch ein kleines Grüppchen aus queer-feministischen AktivistInnen stellte sich der Parade blockierend in den Weg: zu Beginn des Umzugs und beim UBS-Block. Die Grossbank ist Sponsorin der Pride.

Die AktivistInnen wollten gegen «die Kommerzialisierung» des Umzugs protestieren, gegen die «omnipräsenten Sponsoren» und die «unreflektierte Teilnahme der Polizei». Das Pride-OK und dann die Polizei schritten ein. Sogar Verstärkung in Kampfmontur soll für die acht AktivistInnen angefordert worden sein. Ein online veröffentlichtes Video zeigt, wie zwei Polizisten eine Person abführen: wie sie ihr den Kopf nach unten drücken und ihr die auf dem Rücken gefesselten Arme hochreissen.

Während TeilnehmerInnen des Umzugs ein «brutales und unverhältnismässiges» Vorgehen der Polizei schildern, lief für Polizeisprecher Marco Cortesi indes alles korrekt ab. Man habe die bewilligte Demonstration vor den acht «Störenden» schützen müssen. Auf dem Posten habe man ihnen eine Wegweisung erteilt. Auch das Organisationskomitee der Pride kritisiert den Polizeieinsatz nicht. Die AktivistInnen hingegen sprechen von einer «spielerischen Protestaktion», gegen die vonseiten der Pride wie auch von der Polizei unerwartet hart eingeschritten worden sei.

«Stonewall was a riot!», stand auf einem Transparent der AktivistInnen, Stonewall war ein Krawall. Vor fünfzig Jahren war die New Yorker Bar Stonewall Inn an der Christopher Street ein Treffpunkt für Homosexuelle und Transgender. Bei den regelmässigen Razzien in jenen Treffpunkten gehörten Polizeigewalt und Verhaftungen zur bitteren Realität.

Doch am 28. Juni 1968 widersetzten sich die Bargäste. Sie wollten sich die Diskriminierung und Kriminalisierung nicht länger gefallen lassen. Die darauf folgenden fünftägigen Unruhen gelten bis heute als Zäsur in der Geschichte der Bewegung. Die Umzüge am Christopher Street Day sollen jährlich daran erinnern. So ursprünglich auch die Zürcher Pride.