Nr. 25/2018 vom 21.06.2018

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Epidemische

Die meisten SchweizerdeutschsprecherInnen glauben seit Jahren, ihr Gegenüber könne die Mehrzahl nicht von der Einzahl unterscheiden, wenn sie nicht den Deppenplural verwenden: Statt «d Gruppä / d Gruppä» heisst es dann «d Gruppä / d Gruppänä» – Sie verstehen, was wir meinen. Zunehmend kommt auch ungefragt ein Plural-s zur Anwendung, etwa in der «SonntagsZeitung»: «Die Zahl wild lebender Büsis nimmt rasant zu. Damit sich das nicht zur Plage auswächst, werden die Tiere eingefangen und sterilisiert.» Wir sind uns bewusst, dass die gesprochene Sprache so lebt, wie sie lebt, aber wir sehnen uns manchmal nach weniger sterilisierten Büsis und mehr wilden Büsi.
Jürg Fischer

Multiplektische

In einer Rückschau auf die Fussball-WM 2002 gelang es dem «Tages-Anzeiger», den südkoreanischen Fussballfunktionär und Politiker Chung Mong Joon «Chung Moon-Joon» sowie «Chung-Moon-jong» zu nennen und schliesslich im Satz «Bei der Verabschiedung der WM-Schiedsrichter gab Chung Moon-jung Urs Meier als einzigem nicht die Hand» eine dritte Variante zu produzieren. Wetten, dass die südkoreanischen Referenzmedien es nicht auf so viele Möglichkeiten bringen, «Urs Meier» zu schreiben.
Jürg Fischer

Geräuschvolle

«Der frühere Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz soll laut aus der Untersuchungshaft entlassen worden.» Er muss dabei dermassen gelärmt haben, dass man bei «NZZ Online» verschreckt die Tastatur fallen liess.
Karin Hoffsten

Streikende

Der «Blick am Abend» berichtete über ein Zürcher Hochhaus, in dem sich die Infrastruktur seit über einem Jahr weigert, ihrer Aufgabe nachzugehen: «Der Aufzug will niemand reparieren.»
Karin Hoffsten

Brünstige

Endlich schickt auch Porsche sein erstes Serienelektroauto auf den Markt: Den Taycan («lebhaftes junges Pferd») treiben gemäss heise.de «zwei permanent-erregte Synchronmotoren (PSM)» an. Wir haben ja schon immer geahnt, womit sich Autoentwickler in ihren Kreativitätspausen beschäftigen.
Karin Hoffsten

Durcheinandergebrachte I

Den «Tages-Anzeiger» beschäftigte ein Chat unter Freundinnen, deren eine um Rat bei der Kleiderwahl für ein Fest bat. Diskutiert wurde auch ein «oben aufgeblustertes, zu langes Schwarzes». Weil sich die Trägerin nicht aufblustern wollte, entschied sie sich für eine Pluse.
Karin Hoffsten

Durcheinandergebrachte II

Dieselbe Zeitung schrieb: «Denn, es sei hier vorweggenommen, die Sache mit dem Sandmann hat seine Tücken.» Doch, das sei nachgeschoben, nur die Sache mit dem passend gewählten Pronomen hat ihre Tücken. Der Sandmann ist total lieb!
Karin Hoffsten

Ganzautomatische

Nicht so die Bodyguards von Kim Jong Un. Die tragen, doch dafür kann der «Tages-Anzeiger» diesmal wirklich nichts, «eine halbautomatische Waffe und eine zweite Waffe für den Notfall». Der berüchtigte Notfallexzess wurde nämlich in Nordkorea erfunden.
Karin Hoffsten

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