Nr. 27/2018 vom 05.07.2018

Streik bei Tamedia

Von Martin Germann

Die Belegschaft von Tamedia in der Romandie ist am Dienstag um 16 Uhr in den Streik getreten. Die Redaktionen von «24 heures», «La Tribune de Genève», «Le Matin» und «Le Matin Dimanche» legten gemeinsam die Arbeit nieder, die Redaktion von «20 minutes» beteiligt sich hingegen nicht am Streik. Im Vorfeld kam es zu einer Abstimmung der Angestellten, bei der sich mit 88 Prozent der Belegschaft eine klare Mehrheit für eine vorübergehende Arbeitsniederlegung ausgesprochen hatte. Der Streik sollte vorerst bis Mittwoch um Mitternacht beschränkt sein. Bereits am selben Tag erschienen die französischsprachigen Zeitungstitel von Tamedia mit reduzierter Seitenanzahl und Berichten über die Kampfmassnahmen.

Die Streikenden zeigten sich empört darüber, dass Tamedia alle Vorschläge der Redaktionen abgelehnt hatte, die die Auswirkungen der von Tamedia getroffenen Massnahmen begrenzen sollten. Sie fordern deshalb, dass sich Tamedia ernsthaft und intensiv um eine Lösung bemüht, damit die Vielfalt der Westschweizer Presse gewahrt werden könne. Auch der Verkauf von Zeitungstiteln solle dabei kein Tabu sein.

Auf die Streikankündigung reagierte der Konzern umgehend mit einer Drohung. Sollte der Streik nicht sofort beendet werden, sei es möglich, dass Tamedia den in der Romandie anders als in der Deutschschweiz noch bestehenden Gesamtarbeitsvertrag kündige, hielt der Konzern in einer Mitteilung vom Dienstag fest. Dafür setzte er den Streikenden ein Ultimatum bis Mittwoch um 11 Uhr.

Am 7. Juni hatte der Zürcher Konzern die Einstellung der gedruckten Tageszeitung «Le Matin» auf Ende Juli angekündigt, dies, obwohl bereits zu diesem Zeitpunkt ein Schlichtungsverfahren vor der Waadtländer Einigungsstelle zwischen Tamedia und den Westschweizer Redaktionen im Gang war. «Le Matin» soll lediglich noch als Onlinezeitung weitergeführt werden. Bereits 36 Kündigungen wurden gemäss dem Berufsverband Impressum ausgesprochen. Für die Westschweiz bliebe mit «Le Temps» damit nur noch eine einzige überregionale Tageszeitung übrig. Mit einer gemeinsamen Mitteilung warnten deshalb am Mittwoch zahlreiche Parteien und Gewerkschaften vor der wegbrechenden Medienvielfalt in der Romandie, zumal auch die SRG in der Westschweiz künftig fünfzehn Millionen Franken jährlich sparen will. Auch das wird kaum ohne einen massiven Stellenabbau zu bewerkstelligen sein.

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