Nr. 29/2018 vom 19.07.2018

Jacqueline Fehr wirft den ersten Stein

Von Martin Germann

Am Montag machte der «Tages-Anzeiger» publik, dass das Zürcher Amt für Justizvollzug zu seinem zwanzigjährigen Bestehen ein Jubiläumsheft plant. Das Sonderheft wird der «Weltwoche» beigelegt und in deren Layout gestaltet. Dass das Amt für Justizvollzug, dem SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr vorsteht, die «Weltwoche» für diese Aufgabe auserkoren hat, ist aus vielerlei Gründen absurd.

Jacqueline Fehr suggeriert, die «Weltwoche» sei ein journalistisches Produkt wie jedes andere. Dass der «Weltwoche»-Chef kein unabhängiger Journalist, sondern SVP-Politiker ist, dass mehrere Autoren der Zeitung teils mehrfach wegen Persönlichkeitsverletzungen oder übler Nachrede verurteilt wurden, dass das Blatt nichts lieber macht, als Minderheiten anzugreifen, das alles belohnt die Regierungsrätin gleich doppelt: einerseits mit staatlichen Geldern, andererseits mit einem PR-Steilpass für die Rechtsaussenpublikation, die mal wieder ein Feigenblatt erhält, um sich pluralistisch geben zu können.

Nun mag es Jacqueline Fehr für eine gute Idee halten, das Sonderheft der «Weltwoche» beizulegen, die vornehmlich vom politischen Gegner gelesen wird. Sie wolle «raus aus der Filterblase», schrieb sie dazu auf Twitter. Dort gab sie gleich auch noch ihr Verständnis von Journalismus preis: «Wer Journalismus nicht mit PR mischt, werfe den ersten Stein.» Von einer Politikerin ist das, gelinde gesagt, eine ziemlich despektierliche Aussage gegenüber allen JournalistInnen, die sich trotz aller Widrigkeiten in der Branche tagtäglich um einen möglichst kritischen und unabhängigen Journalismus bemühen.

In Wahrheit ist es Fehrs Amt für Justizvollzug, das probiert, die Grenzen zwischen Behörden-PR und Journalismus verfliessen zu lassen. Die redaktionelle Verantwortung des Jubiläumshefts trägt immer noch das Amt für Justizvollzug. Wer zahlt, befiehlt – da kann sich der staatlich beauftragte «Weltwoche»-Autor Alex Baur noch so fest auf seine «innere Haltung» berufen.

Man wolle keine PR-Publikation, schreibt Jacqueline Fehr. Schlauer wäre eine solche allemal gewesen.

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