Nr. 32/2018 vom 09.08.2018

Suchmaschinen lassen sich überwachen

Von Susan Boos

Die gute Nachricht: Google ist nicht ganz so böse wie befürchtet. Zu diesem Schluss kommt die kürzlich publizierte Studie «Wer sieht was? Personalisierung, Regionalisierung und die Frage nach der Filterblase in Googles Suchmaschine».

Seit 2009 personalisiert Google jede Suche. Der Suchbegriff «KKW» liefert den einen Websites für Beautyprodukte von Kim Kardashian West, den anderen Informationen über Kohle- oder Kernkraftwerke. Ist bequem, aber auch gefährlich, weil es einen in die eigene KKW-Blase sperrt.

Katharina Zweig, Informatikprofessorin an der Universität Tübingen, wollte herausfinden, ob Google die Bundestagswahlen 2017 beeinflusst: Bekommt jedeR individuell angepasste Ergebnisse – und kriegt nicht mehr mit, was die andern über Parteien oder PolitikerInnen lesen? Zweig und ihre MitarbeiterInnen lancierten vor den Wahlen die Aktion #Datenspende. 4400 Personen stellten dafür ihre Daten zur Verfügung. Daraus konnten die ForscherInnen ablesen, welche Resultate Google den Leuten lieferte, wenn sie zum Beispiel «Die Linke», «CDU» oder den Namen von PolitikerInnen eingaben.

Überraschenderweise war die Personalisierung minimal, alle erhielten auf dieselben Suchanfragen fast dieselben Ergebnisse – mit höchstens ein bis zwei Abweichungen auf den ersten Trefferseiten. Das ist beruhigend. Doch wichtig ist die Studie aus einem andern Grund: Erstmals wurde gezeigt, dass es relativ kostengünstig möglich ist zu überwachen, wie sich eine Suchmaschine verhält – obwohl Google nicht bereit ist, die dahinterstehenden Algorithmen offenzulegen. Es ist denn auch eine Forderung der ForscherInnen, dass diese Überwachung institutionalisiert wird, um rechtzeitig zu merken, wenn die Algorithmen Blasen zu produzieren beginnen. Das Verfahren funktioniert jedoch nur bei Suchmaschinen, nicht bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Youtube. Da ist es noch nicht möglich herauszufinden, was die Personalisierung mit den NutzerInnen macht.

Die Studie kann bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien heruntergeladen werden: www.blm.de/aktivitaeten/forschung/datenspende.cfm.

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