Nr. 33/2018 vom 16.08.2018

Mit Meringue und Nidle im Bauch

Von Daniela Janser

Von Burgdorf nach Venezuela: Mit dem Fotografen Axel Hütte auf Kopfreise. Foto: Axel Hütte

Gleich drei vom Gastroführer «Gault-Millau» ausgezeichnete Restaurants gibt es im kleinen Emmentaler Städtchen Burgdorf. Wir empfehlen schamlos das Höchstdotierte, den «Emmenhof». Man kann dort nämlich in der gemütlichen Gaststube auch ganz normal essen, Meringue mit Nidle und so. Weil im Hinterzimmer Sternegastronomie zelebriert wird, kann es aber passieren, dass einem als Überraschungszwischengang zum bodenständigen Menü eine karamellisierte Olive serviert wird.

Es lohnt sich also, mit Hunger nach Burgdorf zu kommen, das heisst am besten mit dem Velo. Gut, dass sich in Burgdorf gleich mehrere Velorouten kreuzen. Etwa die gemütliche Tour von Trubschachen nach Burgdorf, streckenweise der schönen Emme entlang. Wer es etwas härter mag, kann aber auch ein Burgdorf-Teilstück der insgesamt 710 Kilometer langen «Herzroute» abfahren, die auf ihrer ganzen Länge von Lausanne bis nach Rorschach führt. Die Website www.schweizmobil.ch kennt noch weitere Routen, inklusive Angaben zum Verhältnis von Asphalt und Naturbelag und den Höhenmetern der Auf- und Abstiege. Wer nicht pedalen will, der oder die kann auch ein Teilstück auf dem Jakobsweg pilgern, der ebenfalls bei Burgdorf vorbeiführt – etwa über die Burgdorfer Gysnauflüe oder dem Emme-Uferweg entlang von Hasle-Rüegsau her.

Und natürlich gibt es in Burgdorf auch Kultur. Der virtuose Schweizer Schrottverwandler Bernhard Luginbühl lebte und arbeitete ab 1965 bis zu seinem Tod 2011 auf einem Bauernhof in Mötschwil bei Burgdorf. Im alten Schlachthaus von Burgdorf ist sein Museum eingerichtet, das regulär leider nur am Sonntag geöffnet ist. Man kann aber auch mit kleinen Gruppen eine Spezialführung an einem Wochentag buchen, bei der man viel fragen und Luginbühls Maschinen in Aktion bewundern kann. Wenn einem das Alteisen dann in den Ohren knirscht, wechselt man hinüber ins Museum Franz Gertsch, das unweit des Ateliers des Holzschnitt- und Fotorealismuskünstlers steht. Dort sind noch bis am 26. August nicht nur «Meer»-Arbeiten von Gertsch selbst zu sehen, sondern auch eine Ausstellung des deutschen Landschafts- und Architekturfotografen Axel Hütte. Mit ihm kann man zum Abschluss in den vier Wänden des Ausstellungsraums «Unterwegs – in der Ferne» herumreisen.

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