Nr. 33/2018 vom 16.08.2018

Tatort Letzibadi – Teil II

Von Franziska Meister

Zug um Zug nähert sich Max dem Zelt am Beckenrand, jetzt bemüht, sich an die genauen Worte des Mannes mit der roten Badehose zu erinnern. Hatte der sich nicht über Unwohlsein beklagt? Sich im Wasser abkühlen wollen, nur kurz? Und ihn, Max, gebeten, nach ihm zu sehen, falls er in spätestens fünf Minuten nicht zurück sei? Max musste dann wohl eingenickt sein. Als er aufwachte, fand er das Tuch neben sich jedenfalls leer vor.

Der Wind rüttelt erneut an den weissen Zeltblachen – doch halt: Ist das tatsächlich der Wind, oder bewegt sich da etwas im Innern? Max ist keine zehn Meter mehr entfernt und schwimmt jetzt rascher. Um ihn herum spritzen, planschen und kreischen Jugendliche in der Mittagssonne, doch Max hat nur Augen für das Zelt. Kann es sein … er sah tatsächlich nicht besonders gesund aus, der Mann … ein Schwächeanfall vielleicht? Jetzt erst bemerkt Max links hinter dem Zelt ein grelles Gelb, das durch die Hecke schimmert. Ein Rettungswagen.

Max hat den Beckenrand erreicht. Der Zelteingang ist zu, aber zwischen Zeltrand und Boden besteht ein schmaler Spalt. Max stemmt sich leicht aus dem Wasser hoch und verengt seine Augen zu kleinen Schlitzen. Eindeutig, da liegt einer … das muss ein Bein sein … und da: ein Stück roter Stoff. Ob er …? Da zuckt das Bein, einmal, zweimal. Unterdrücktes Stöhnen. Ein dunkles Rinnsal bahnt sich einen Weg zum Beckenrand. Und dann bewegt sich die eine Zeltblache mit einem Ruck zur Seite, und Max blickt direkt in ein Augenpaar über einem schneeweissen Mundschutz.

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