Nr. 33/2018 vom 16.08.2018

Von Jürg Fischer

Prosaische

Von der Zürcher Streetparade berichtet der «Tages-Anzeiger»: «Die Putzmänner stehen abseits vom Spass, der sie vielleicht verwundert, denn sie sind ja wegen der Arbeit hier, hinterlassen als ein Haufen Dreck.» Wir sind nicht ganz sicher, ob das auf die Shortlist für einen Literaturpreis gehört oder in eine Meldung ans Arbeitsinspektorat.

Klimawandelnde

Leider haben wir das Geld für den in Aussicht gestellten Ventilator für die NZZ-Redaktion noch nicht ganz beisammen (siehe diese Rubrik in WOZ Nr. 32/18). Beziehungsweise zum Glück. Denn dann wären uns die folgenden Metaphernschwärme vorenthalten geblieben: «Egal, ob es Bindfäden regnet, Frau Holle ihre Kissen schüttelt oder die Sonne uns die Sinne vernebelt …» Und dies: «Netanyahu hatte vermutlich gehofft, der Unmut über das Gesetz würde in der phlegmatischen Hitze der Sommerferien verdampfen.» Ja, wir finden auch, diese Hitze könnte mal langsam ihren Hintern lupfen.

Unmusikalische

Ebenfalls in der NZZ war zu lesen: «… versucht Trump, die Konsequenzen seiner Politik anderen in die Schuhe zu schieben, die zwangsläufig nicht völlig unschuldig sein können.» Das hätte er mit ein bisschen Musik im Ohr nicht versucht, denn auch schuldige Schuhe lehnen sich eines Tages auf: «One of these days these boots are gonna walk all over you», sang Nancy Sinatra. Are you ready boots?

Somatische

Nicht nur bei den Menschen, auch bei den Substantiven werden die Geschlechtergrenzen fliessender, und das ist gut so, denn es schafft neuen Sinn. Eine Bildlegende im «Tages-Anzeiger» meldete Folgendes: «Alex Miescher: Nach der Aufruhr um sein Doppelbürger-Interview nun sein Abgang.» Obwohl es sich bei der Aufruhr um eine gar nicht so seltene gravierende Magenverstimmung handelt, ist sie bis heute ein Stiefkind der Pharmaindustrie geblieben. So weiss man ihr meist nur mit dem Gummiknüppel beizukommen.

Astrologische

Aus Anlass des soeben stattgefunden habenden Perseidenschwarmphänomens war auf Radio SRF2 Kultur mehrmals die Rede von «Sternschuppen». Wir stellen uns vor, dass damit nicht Lokale der Spitzengastronomie gemeint waren. Aber wir finden die Idee hübsch, dass der dort allenfalls verkehrende Herr mit Schuppen auf dem Jackett zu seiner Verteidigung sagt, er sei gerade durch einen mächtigen Perseidenschwarm gekommen und habe jetzt Lust auf ein anständiges Essen.

Pazifistische

Interessant auch, was gemäss NZZ im Radio kommt beziehungsweise nicht kommt: «Die Sendung präsentiert Innensichten zweier Menschen, die sich stark mit der Armee identifizieren. (…) Jenseits von Reizthemen wie Rekrutenschwund, Grippen und Ähnlichem erzählen sie von ihrem Alltag als Mann und Frau in der Armee und was eine Militärkarriere im zivilen Leben mit sich bringt.» Wir vermuten, dass mit «Grippen» ein ähnlich lautender Kampfflieger gemeint ist, aber die fiesen Grippeviren können natürlich dem Rekrutenschwund genauso Vorschub leisten.

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