Nr. 36/2018 vom 06.09.2018

Mutter Helvetia hilft den Verfolgten

Von Stefan Keller

Foto: Archiv Stefan Keller

Im Lauf des Ersten Weltkriegs kommt in der Schweiz der Begriff «Überfremdung» in Mode. Entstanden ist er um die Jahrhundertwende, als sich die Zahl der anwesenden AusländerInnen in zwanzig Jahren verdoppelte. Noch gilt «Überfremdung» vor allem als administratives Problem. Man löst es recht einfach: mit Einbürgerung.

Bis zum Krieg herrschte Personenfreizügigkeit, gestützt auf bilaterale Staatsverträge. Zunehmend taucht jetzt in Zeitungsberichten ein gehässiger Tonfall auf. Im Sommer 1918 beschreibt der Berner «Bund» die Ausländer als Schieber, Hamsterer, als «Kuckucke» im «warmen Schweizernest», deren Gesichter «unwillkürlich zum Ohrfeigengeben» reizten, auch als Verführer von Schweizer Frauen: Juden sind gemeint, Deserteure und Internierte. Eine Petition wird lanciert, sie richtet sich gegen «fremde Wühler», die Schweizer ArbeiterInnen politisch agitieren. Der Verkauf von Postkarten der gastfreundlichen Mutter Helvetia geht trotzdem weiter. Mit dem Aufbau der Fremdenpolizei wird die Personenfreizügigkeit für den Rest des Jahrhunderts abgeschafft.

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