Nr. 38/2018 vom 20.09.2018

Geschmeidiger Fake

Von Caroline Baur

Connan Mockasin. Foto: Irascible

Durch einen wohl selbstgebastelten Filter quietscht eine junge Männerstimme – auf einer psychedelischen Jazzspritztour singt sie über die Liebe zu einem Delfin. Connan Mockasins nun fünf Jahre altes Album «Caramel» mäandert schlaftrunken vor sich hin, voll gloriosem Nonsens, mit schummrigen Gitarren und geschmeidigen Basslinien, leicht verrückt und ungezwungen heiter. Der ewig Stimmbrüchige versucht gar nicht erst, den Soul zu beherrschen – singen tut er ihn trotzdem. Vielleicht ist dieses schnulzige Slackertum die feinste Art, mit der Krise der Männlichkeit umzugehen. Sein Publikum hat er in den letzten Jahren reihenweise in die Knie gezwungen: Wer diesen Kauz live gesehen hat, vergisst ihn nicht mehr. Man verliebt sich in ihn, verliebt sich ineinander und schwebt im pseudoerotischen Wattebausch.

Neue abgedrehte Schlüpfrigkeiten sind nun im St. Galler Palace zu hören, wo Connan Mockasin im einzigen Schweizer Konzert von seinem neuen Album «Jassbusters» spielen wird. Dieses kommt im Doppelpack mit dem ersten Teil seines Films «Bostyn ’n Dobsyn», einer Geschichte über eine eigenwillige, von Mister Bostyn angeführte Gruppe von MusiklehrerInnen. Klingt bescheuert, aber wir vertrauen auf die mockasinsche Wirkung.

St. Gallen: Palace, Fr, 26. Oktober 2018, 21 Uhr.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch