Nr. 38/2018 vom 20.09.2018

Ironiestachel im Fleisch

Von Valérie Hug

Josh Tillman aka Father John Misty. Foto: Emma Tillman

Josh Tillman aka Father John Misty beweist immer wieder, dass er ein grandioser Gesellschaftskritiker ist. Sei dies auf seinem letztjährigen Album «Pure Comedy», wo er nicht nur sich selber als selbstverliebten Entertainer, sondern gleich die ganze Menschheit aufs Korn nimmt. Oder auf «I Love You, Honeybear» von 2015, wo er über die Liebe zu seiner Frau im von sozialen Medien besessenen 21. Jahrhundert singt. Seine Texte untermalt der 37-Jährige mit einer Mischung aus Folk und Rock – mal mit mehr Soul, mal mehr Funk oder Retropop.

Diesen Frühling erschien mit «God’s Favorite Customer» das vierte Album des ehemaligen Fleet-Foxes-Schlagzeugers. Im Unterschied zum Vorgänger ist es simpler, knapper und nicht mehr ganz so absurd und humorvoll. Seine sarkastische Beobachtungsgabe hat Father John Misty dabei keineswegs verloren, auch wenn es ihm dieses Mal weniger um die Gesellschaft als um seine Person geht. In «Date Night» zieht er zu psychedelisch angehauchten Gitarrenmelodien, bluesigen Pianoklängen und Tamburinpassagen über die heutige Datingkultur her. Nichts kann mehr wirklich überraschen oder beeindrucken, die spannendste Person im Spiel ist: man selber. Tillmans Ironie richtet sich auch immer gegen innen, das macht sie umso bissiger.

Zürich: Rote Fabrik, Sa, 17. November 2018, 20.30 Uhr. Lausanne: Les Docks, So, 18. November 2018, 20 Uhr.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch