Nr. 38/2018 vom 20.09.2018

Lasst endlich die Kühe raus!

Von Bettina Dyttrich

Schweizer Milch soll nachhaltiger werden: Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat beschlossen, dass die MilchproduzentInnen künftig strengere Kriterien erfüllen müssen. Dafür sollen sie einen Aufschlag von zwei Rappen pro Kilo Milch bekommen.

Viele der neuen Kriterien sollten selbstverständlich sein, etwa: «Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen.» Ist das denn heute nicht so? Doch, sagt Stefan Kohler von der BOM auf Anfrage: «Eine Tendenz, den Kühen keine Namen mehr zu geben, ist nicht erkennbar.» Die BOM wolle sich damit von Importprodukten aus industrieller Haltung abgrenzen und betonen, dass sie auf Familienbetriebe setze.

Zu reden geben wird ohnehin ein anderer Punkt: Alle Milchkühe müssen in Zukunft entweder in einem Laufstall leben oder mit dem sogenannten Raus-Programm regelmässig auf die Weide dürfen – oder beides. Die meisten Milchbetriebe erfüllen diese Anforderung bereits, aber rund 2800 halten ihre Kühe heute noch nach den gesetzlichen Mindeststandards. Diese Kühe verbringen fast ihr ganzes Leben angebunden im Stall – das ist alles andere als tiergerecht. Mit den neuen BOM-Kriterien geht das nun nicht mehr.

Manche BäuerInnen werden sich ärgern: Der Milchpreis ist seit Jahren tief, und jetzt wird der Aufwand grösser – für einen immer noch tiefen Preis. Aus ökologischer Sicht sind die Auflagen hingegen nicht streng genug: Nötig wäre, die Futterimporte einzuschränken, die die Überproduktion ankurbeln und zu umweltschädlichen Nährstoffüberschüssen führen.

Trotzdem: Der BOM-Beschluss geht in die richtige Richtung. Und er kommt zur richtigen Zeit: Im November stimmt die Schweiz über die Hornkuhinitiative ab. Sie möchte LandwirtInnen belohnen, die Kühe mit Hörnern halten, geht aber nicht auf die Haltungsform ein – auch für dauernd angebundene Tiere bekäme man das Geld. Das ist fragwürdig. Mit dem BOM-Beschluss löst sich das Problem nun vielleicht fast von selbst, und der gewichtigste Einwand gegen die Initiative fällt weg – vorausgesetzt, die BOM bewilligt nicht reihenweise Ausnahmen.

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