Nr. 38/2018 vom 20.09.2018

Die Einsamkeit ausfechten

Von Kaspar Surber

Odd Beholder. Foto: Odd Beholder

«Loneliness» ist ein Gefühl, an dem in Popsongs kein Mangel herrscht. Aber so wie im gleichnamigen Lied von Odd Beholder ist einem die Einsamkeit noch nie begegnet: als Gegnerin, die einen immer wieder auf sich selbst zurückwirft, als Freundin, die man hasst, vor der man sich fürchtet und die man trotzdem begehrt. Im Clip sieht man passend eine Fechterin ohne Gegenüber, die nur mit der Luft kämpft. Ist die Einsamkeit eine Person, die man vermisst? Ist sie eine Struktur, gesellschaftlich hergestellt? Ist man sie am Ende selbst? Immer wieder gleitet die Fechterin auf dem glitschigen Boden aus.

«If you must fight me, my friend, fight me gently, I feel so tired, so tired and tried», bittet Daniela Weinmann die Einsamkeit mit entrückter Stimme. Getragen wird sie von einem opulent angelegten, aber reduziert umgesetzten Dreampop aus Synthies, Streichern und Chören. Wie die Fechterin, die immer wieder aufsteht, will man diese Musik immer wieder hören. Nach zwei EPs erscheint nun das erste Album von Odd Beholder: «All reality is virtual». Weinmann hat es mit dem Luzerner Musiker und Produzenten Martin Schenker aufgenommen. Eines ist nach der Single klar: Alleine bleibt man mit diesem Album bestimmt nicht. Diese Einsamkeit ist ein Geschenk.

Zürich, Bogen F, Sa, 13. Oktober 2018, 21 Uhr, Plattentaufe.

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