Nr. 38/2018 vom 20.09.2018

Versagen mit Seehofer

Ruedi Widmer über die Auns, Nowitschok und einen Ausflug nach Houston

Von Ruedi Widmer

Zum Zehnjahrjubiläum der Lehman-Pleite titelte die NZZ so süss wie ein Geburtstagskuchen: «Nicht der Liberalismus hat versagt». Es sollte noch hinzugefügt werden, dass auch Bären, Kellerasseln und Hühner nicht versagt haben.

Im Hambacher Forst, einem Wald in Nordrhein-Westfalen, der dem Braunkohletagebau geopfert werden soll, kämpfen Hunderte BesetzerInnen gegen die Rodung. Die Polizei geht sehr hart gegen die KlimaaktivistInnen vor, weil diese nicht «Wir sind das Volk» rufen. Und Verfassungsschutzpräsident Maassen kann auf den Videos keinen Braunkohletagebau erkennen.

Horst Seehofer, das grosse Menschenexperiment der deutschen Bundesregierung, steht kurz vor der Kernschmelze.

«Papa, wenn ich gross bin, möchte ich Sonderermittler werden.»

Zürich streitet seit Jahren um ein Fussballstadion. Jetzt will die SP das aktuelle Projekt verhindern. Na ja. Das friedlichste Fussballstadion des Kantons Zürich steht immer noch in Winterthur, und es ist mir schon lange ein Rätsel, warum Zürich überhaupt ein Stadion braucht. Die FCZ- und GC-Fans gehen ja ohnehin nicht mehr ins Stadion, sondern sind auf der Strasse aktiv.

Endlich kommt Licht in die Spionageaffäre um das Labor Spiez und die Antidopingagentur: Die Russen wollten auch SportlerInnen anderer Nationen dopen, allerdings mit dem Nervengift Nowitschok.

Die Auns hat zu hohen Blutdruck, Arthrose, Demenz, Gicht und Osteoporose. Einzig ihr Präsident, SVP-Nationalrat Lukas Reimann, hat noch Saft und gibt, ganz wie er über die SP sagt, Geld aus, das überhaupt nicht vorhanden ist.

Die Nasa möchte ihre Missionen künftig von Firmen sponsern lassen. Die Idee sorgt bei vielen Nasa-EnthusiastInnen für Entsetzen. Dabei habe ich selber als Schüler schon in den achtziger Jahren einmal ein Spaceshuttle gezeichnet, bei dem der Treibstofftank der Startrakete durch eine Coca-Cola-Flasche ersetzt war. Darunter stand: «Coca Cola, der Treibstoff.» Damals war das Spaceshuttle supermodern und Coca-Cola Kult; jeder, der etwas auf sich hielt, sammelte Coca-Cola-Dosen aus aller Welt. Mein Zeichnungslehrer hat dann vor Begeisterung eine Kopie der Zeichnung an Coca-Cola in Dietlikon geschickt. Gehört haben wir nie etwas; mein Weg in die Werbung war aber vorgezeichnet. Die Firma Coca-Cola möge doch bitte ihr Versäumnis nachholen und eine Sitzung mit mir und der Nasa einberufen. Ich möchte gerne mal nach Houston.

Ich habe die Biografie über Roger Köppel noch nicht gelesen, aber ich vermute, Köppel war als Jugendlicher viel zu linksmarxistisch, um Coca-Cola-Dosen zu sammeln wie ich. Es stellt sich übrigens die Frage, was günstiger kommt: Wenn Köppel seine im Buch beschriebenen Chnörze via Eigenzeitung und Partei zulasten der Öffentlichkeit therapiert oder wenn er, ähnlich wie Carlos, diese in einem eher abseits gehaltenen Sondersetting verarbeitet, das zwar anfänglich viel kostet, aber wenigstens die Schweizer Volkswirtschaft nicht zerstört.

Für Jüngere: «Sondersetting» war das «Sonderermittler» der Jahre 2013 bis 2015.

Es kriselt an allen Ecken und Enden der SVP. Deshalb flüchten viele ExponentInnen der Partei nach Deutschland zur AfD, wo sich das leergelaufene Blocherprinzip vielleicht wiederholen lässt. Politische Flüchtlinge sind ja etwas anderes als Wirtschaftsflüchtlinge.

Sondereremit Trump wird immer einsamer im Oval Office.

Nord- und Südkorea richteten laut Presseberichten eine Hotline und eine Faxverbindung ein. Nun bittet Kim alle weltweit noch einen Fax besitzenden Menschen (schätzungsweise zehn bis zwanzig), ihre Geräte auf die koreanische Halbinsel zu bringen, um den Friedensprozess zu ermöglichen.

Ruedi Widmer hat nicht versagt in Winterthur.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch