Nr. 38/2018 vom 20.09.2018

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Hormonisierte

«Es gibt zwar Frauen unter den Anhängern der sehr Rechten, tatsächlich sind diese aber überdurchschnittlich oft männlich», wusste in der «SonntagsZeitung» eine Soziologieprofessorin. Ohne uns die Finger an der Genderfrage verbrennen zu wollen, fragen wir nach: Ist das so gemeint, wie man es auch verstehen kann, oder eher nicht, denn wenn ja, würde man Frauen nicht zutrauen, sehr rechts zu sein, es sei denn, sie seien männlich; und das wäre ziemlich sicher reichlich sexistisch.
Jürg Fischer

Absolvierende

Aus Adelboden meldet der «Bund»: «In der Halle vollzieht das Trio Triplet einen ungewohnten Perspektivenwechsel. Ausgehend von einem Konzept von John Cage, absorbiert das Kollektiv Hannah Walter (Violine), Stefanie Mirwald (Akkordeon) und Damien Bachmann (Klarinette) Musikstücke aus unterschiedlichsten Stilen und Praktiken.» Nicht berichtet wird, in welcher Form der dergestalt absorbierte Mix dem Publikum dargeboten wird.
Jürg Fischer

Postfaktische

Von der Nachbearbeitung der (Polizei-)Krawalle vor der Berner Reitschule am vorvorletzten Wochenende berichtete die «Nordwestschweiz»: «Rückfragen wurden postum beantwortet, was für die sonst träge kommunizierende basisdemokratische Organisation unüblich ist.» Da freuen wir uns postwendend, denn wäre eine Antwort ausgeblieben, hätte man befürchten müssen, die Organisation sei gestorben.
Jürg Fischer

Leidenschaftliche

Unter dem Titel «Auswärtsspiel für die SP» berichtete der «SonntagsBlick» über drei SP-Nationalräte, die dringend Tickets für ein Champions-League-Spiel mit den Young Boys suchen: «Am liebsten wäre der Truppe die Partei in Turin gegen Juve.» Wenn die Fraktion gleich selbst antreten will, brauchen die Herren doch gar keine Eintrittskarten.
Karin Hoffsten

Köchelnde

Auf die Frage «Hat das Stil?» gabs in der «NZZ am Sonntag» wieder eine strenge Antwort: «(…) Männer hingegen müssen bei der Arbeit lange Hosen tragen und in ihren Jacketts vor sich hindämpfen.» Wir sind der Meinung, dass dem Manne, wenn er schon arbeitsvertraglich verpflichtet ist, Gemüse im Dampf zu garen, eine Tenueerleichterung zugestanden werden sollte.
Karin Hoffsten

Abgründige

Im Sommer kommentierte die «Süddeutsche Zeitung» das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei der Fussball-WM mit einem Satz, den wir uns hier zu adaptieren erlauben, weil er auch für die Gefahren bei der politischen Karriereplanung stehen kann: «‹Abu Dhabi› steht ab sofort in einer Reihe mit ‹Canossa› und ‹Waterloo›: als Chiffre für eine der finstersten Stunden, die auch jenen Kindern etwas sagen wird, deren Eltern sich heute noch gar nicht kennen.»
Karin Hoffsten

Steckbriefliche

Unter einem Porträt im «Tages-Anzeiger» lasen wir: «640 Bildlegende bei 1spaltigen Bildern auf 3 Zeilen eine Legende schreiben.» Unser Vorschlag: Mann mittleren Alters, vermutlich brasilianischer Herkunft, graues, leicht gelocktes Haar, gepflegtes Äusseres. Wer kennt ihn?
Karin Hoffsten

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